50 Jahre Meinhardinum
Ein kurzer Überblick über die Geschichte

 
bullet1949
Private Maturaschule mit Internat
bullet1960
Öffentlichkeitsrecht
Aufbaumittelschule (Aufbaugymnasium und Aufbaurealgymnasium)
bullet1972
Die ersten Mädchen
bullet1981
Einführung der Unterstufe
bullet1985
Die "Alte Mühle" wird die neue Heimat der Schule.
bullet1996
Zubau und neue Turnhalle

Die Anfänge

Infolge der Kriegswirren und der Not der Nachkriegsjahre war es vielen jungen Menschen nicht möglich, eine höhere Schule zu besuchen. Das Stift Stams ging unter der Leitung des Abtes Eugen Fiderer daran, dieser Not Abhilfe zu schaffen: Am 15. Oktober 1949 wurde die private Maturaschule mit angeschlossenem Internat eröffnet. Die meisten der "Spätberufenen" waren schon über 20 und bereiteten sich in Stams auf ihre Maturaprüfung vor – diese fand in der Regel vor einer Kommission in Innsbruck oder Bregenz statt; weil zu dieser Zeit das Öffentlichkeitsrecht noch nicht verliehen war.
In den Anfangsjahren schlug mehr als die Hälfte der Absolventen nach Abschluss der Matura eine Laufbahn als Geistlicher ein.  Untergebracht waren sowohl Schule als auch Internat im sogenannten "Fürstentrakt" des Stiftes. Die Lehrer kamen nur für die Vorbereitungszeit der Schüler (meist einige Monate pro Fach) nach Stams, die "Führung" in den Anfangszeiten hatte HR Dr. Franz Rohracher, der auch Latein und Griechisch unterrichtete. Der Lehrplan entsprach dem eines humanistischen Gymnasiums.

Aufbauzeit

Im Schuljahr 1960/61 erlangte die Privatschule das Öffentlichkeitsrecht und wurde zu einer fünfjährigen "Aufbaumittelschule" – somit konnte in Stams mit Matura abgeschlossen werden!  Zwei Schultypen bestanden nebeneinander: einerseits ein "Aufbaugymnasium", in dem Griechisch und Latein unterrichtet wurde, andererseits ein "Aufbaurealgymnasium mit Englisch und Latein. 
1964 legten sieben Kandidaten zum ersten Mal in Stams eine Reifeprüfung ab.  Seit der Verleihung des Öffentlichkeitsrechtes stieg die Schülerzahl ständig an – 1963/64 gab es bereits 5 Klassen, 1968/69 wurde erstmals eine Schulstufe mit zwei Parallelklassen geführt.
1966/67 tritt ein neuer Lehrplan in Kraft, durch den der Zweig mit Griechisch-Unterricht auszulaufen begann. 1970 maturierte die letzte Griechisch-Klasse.
Um den Hauptschulabsolventen den Umstieg in das Gymnasium zu erleichtern, führte man 1967/68 eine sogenannte Übungsklasse ein – sie diente der Vorbereitung auf die erste Klasse des Aufbaurealgymnasiums.  
Nach einem Volksbegehren wurde in Österreich das neunte Schuljahr an Gymnasien (also das fünfte Jahr) abgeschafft. Dies führte dazu, dass im zweiten Halbjahr 1969/70 in Stams gleich drei Klassen maturierten, nämlich die fünfte und die beiden vierten.
Mit jedem Schuljahr gab es mehr Parallelklassen – ab 1976/77 bis 1980/81 waren alle Jahrgänge doppelt geführt.
1972/73 wurden erstmals auch zwei Mädchen aufgenommen, in den Folgejahren stieg die Zahl der Mädchen stetig an.

Einführung der Unterstufe

Trotz des weiblichen Zuwachses waren Anfang der 80er Jahre die Schülerzahlen rückläufig. Dies war einer der Gründe, weshalb 1981/82 auch eine Unterstufe eingeführt wurde. Damit gibt es wiederum zwei Schultypen, die bis heute bestehen: das neusprachliche Gymnasium mit Unterstufe und das traditionelle Aufbaurealgymnasium.
Die "Langform" wurde mit einer ersten Klasse (36 Schüler!) gestartet, aber schon im nächsten Jahr war der Andrang so groß, dass zwei Klassen parallel geführt werden mussten. Im Lauf der Jahre kam es zu einem immer stärkeren Ausbau der Unterstufe.  Bis zu diesem Zeitpunkt – also mehr als 20 Jahre lang – ist der im Frühjahr 1999 verstorbenen Abt Dr. Bernhard Slovsa Direktor.
Er war bis zu seinem Amtsende im Schuljahr 1980/81 die treibende Kraft für den Aufbau und die Erweiterung des Schulwesens in Stams.


Altabt  Dr. Bernhard Slovsa

Für ein Jahr übernahm Prof. Raimund Jandl provisorisch die Leitung der Schule, bis 1982/83 P. Mag. Augustin Neumüller zum Direktor bestellt wurde. Unter seine Ägide fallen die entscheidenden baulichen Maßnahmen der 80er und 90er Jahre.

Weiterer Ausbau

Die Räumlichkeiten im Stift genügen dem immer weiter steigenden Platzbedarf nicht mehr. Daher wird das Projekt "Alte Mühle" in Angriff genommen.
Im Frühjahr 1984 wird mit dem Um- bzw. Neubau begonnen. Bereits 1985/86 kann die gesamte Schule in das moderne Gebäude übersiedeln.  Trotzdem müssen schon bald wieder Klassen im Stift untergebracht werden, weil entgegen den Erwartungen der Andrang immer weiter stark anstieg.
Schon bald wird die nächste bauliche Erweiterung in Angriff genommen: Die alte Turnhalle wird abgerissen, eine neue - wahrscheinliche eine der modernsten und großzügigsten in Tirol - wird teilweise „untertags“ nördlich des Schulgebäudes „Alte Mühle“ errichtet. Gleichzeitig wird im Osten ein zusätzlicher Klassentrakt, in dem auch eine neue Bibliothek eingerichtet wird, an der Stelle angebaut, an der früher Turnhalle und Hallenschwimmbad lagen. Baubeginn war im Frühjahr 1995, bereits im Herbst 1996 werden die neuen Gebäude feierlich eröffnet.
Das Meinhardinum ist also heute nicht nur eine moderne und weltoffene Schule mit sehr guten Rahmenbedingungen, sondern auch eine recht große Bildungsanstalt; Größe hat bekanntlich nicht nur Vorteile, und so mancher von den „Altgedienten“ denkt ein wenig wehmütig an die gute alte Zeit zurück, in der noch jeder Lehrer jeden Schüler unterrichtete, etwas später zumindest noch persönlich kannte ... 

 Das Internat Meinhardinum

Gleichzeitig mit der Schule wurde auch ein Internat im Stift Stams eröffnet. Im 2. Stock der Türme, in dem heute das Institut für Religionspädagogik untergebracht ist, wurden 1949 je zwei Schlaf- und Studiersäle eingerichtet. Pater Robert Zangerl war einer der ersten Schüler, die hier einzogen - er berichtet:  “Es war kalt, zum Teil waren die Räumlichkeiten nicht beheizbar, warmes Wasser gab es nicht, ein Duschraum war wohl vorhanden, aber noch keine Duschen, als Bettlager dienten Strohsäcke ...”.  Für heutige Begriffe also nicht gerade gemütliche Zustände, aber verwöhnt waren die jungen Menschen im Jahre 1949 wohl wirklich sehr selten. Und verwöhnt wurden die Internatszöglinge auch vom damaligen Heimleiter, Regens Hermann Hoff, dem Pfarrer von Stams, nicht unbedingt: selbst militärisch ausgebildet und aus einer preußischen Offiziersfamilie stammend führte der Erzieher ein eher strenges Regiment.  P. Robert war damals 15 Jahre alt und damit einer der wenigen Jüngeren, die meisten “Zöglinge” waren schon über 20 - trotzdem galten für alle die selben Regeln: Nachtruhe um 21 Uhr, nach dem Abendgebet absolute Ruhe, Gasthausbesuche waren untersagt; die spärliche Freizeit wurde mit Spaziergängen, Schach- und Kartenspiel, Radio hören, Fußball spielen im Eichenwald oder Bibliotheksbesuchen verbracht, auch eine “Internatspfadfindergruppe” wurde gegründet.
Zu Beginn waren 26 junge Männer im Internat untergebracht, rund die Hälfte davon wurde später Priester, wozu sicher auch die religiöse Ausrichtung des Internatslebens beitrug: es gab täglich einen Gottesdienst, Morgen- und Abendgebet waren ebenso selbstverständlich wie das Beten vor dem Mittagessen. Die Studierzeiten wurden strikt eingehalten: morgens noch vor Schulbeginn ab 6 Uhr 15, nachmittags von 15 Uhr 15 bis 16 Uhr und von 17 bis 18 Uhr. Heimfahrten gab es nur drei Mal pro Jahr: zu Allerheiligen, Weihnachten und Ostern.
1956 bis 1958 übernahm Pater Stefan Köll die Internatsleitung, ihm folgte bis 1967 Pater Bernhard Slovsa - in der ihm eigenen Agilität leitete der spätere Abt des Stiftes wesentliche bauliche Veränderungen ein:  1962/63 wurde die Bibliothek des Stiftes zu Internatsräumen umgebaut, 1965 der dritte Stock ausgebaut - jetzt gab es Platz für bis zu 126 Schüler (dies war der Höchststand zu Anfang der 70er Jahre).
Mit diesen Investitionen wurde das Meinhardinum Stams zu einem der modernsten Internate Tirols: es gab keine Schlafsäle mehr (diese waren sonst noch fast überall üblicher Standard), sondern Vierer-Zimmer, im 3. Stock dann Zweier-Zimmer (diese waren besonders begehrt und galten als “Belohnung” für angehende Maturanten); ein besonderes Zuckerl war ein eigenes Hallenbad, das in den 80er Jahren den schulischen Neubauten zum Opfer fiel; seither können die Schüler allerdings das Hallenbad des Skigymnasiums mitbenützen.  Auch wurde mit den neuen Räumlichkeiten nach und nach das Klima lockerer: Heimfahrten gab es meist einmal im Monat, bald schon alle zwei Wochen; im Herbst wurde ein Ausflug auf die Stamser Alm zur regelmäßigen Einrichtung, im Frühjahr fand alljährlich ein Sportwochenende (vor allem Fußballspiele) statt, im Advent und in der Fastenzeit gab es ein Einkehrwochenende.  Die Sonntage im Internat begannen mit der Messe in der Basilika (Mitgestaltung durch den Internatschor), wie auch sonst weiterhin Wert auf religiöse Erziehung gelegt wurde.
Ab 1972 führte der seit vier Jahren (ab 1970 als Heimleiter) im Internat tätige Pater Augustin Neumüller die wöchentliche Heimfahrt ein - und stieß dabei nicht nur auf Zustimmung: manche Lehrer und auch Eltern sprachen sich dagegen aus, die Mehrheit war allerdings dafür. P. Augustin: “Nachdem so manche Oma fünf mal im Jahr ‘gestorben’ war, wurde es Zeit für die Einführung der wöchentlichen Heimfahrt ...”  Von 1976 bis 1982 übernahm Pater German Erd die Geschicke des Internats. Er führte den “Internatsbus” ein, der für viele Schüler eine wesentliche Erleichterung mit sich brachte: musste etwa früher ein Außerferner eine mühsame und komplizierte Anreise auf sich nehmen (z.B. mit Postbus nach Telfs, dann mit dem Zug nach Stams, nicht selten waren auch Fußmärsche von Barwies nach Stams ...), so wurde er nun mit dem Bus vom Mieminger Plateau abgeholt - dies geschieht auch heute noch: meist ist es der seit bald 20 Jahren als Erzieher tätige Thomas Egger, der “Chauffeur” für “seine Burschen” spielt.

Ab dem Schuljahr 80/81 kamen erstmals auch Unterstufen-Schüler ins Internat: anfangs waren es etwa 10, aber schon bald stieg diese Zahl auf über 40. Die "Kleinen" wurden im 1. Stock bei den Fünftklasslern einquartiert; eine provisorische Holzwand im Gang trennte Ober- und Unterstufe – heute ist das gesamte Stockwerk für die ganz Jungen reserviert.  Im selben Jahr wurde auch der Obstgarten des Stiftes zu einem großen Sportplatz für die Schüler umgebaut.
Parallel zum Unterstufeninternat war das in Stams von Stiftsbrüdern (Pater Robert, Pater Heinrich) betreute Hauptschulinternat nach wie vor voll ausgelastet. Viele der dort wohnenden Hauptschüler wechselten nach Abschluss der Hauptschule ins Aufbaurealgymnasium.
Das Leben in einem Internat ist sicher nicht immer ganz einfach, besonders für die ganz Jungen; auch die Erzieher hatten und haben es oft schwer, vor allem, wenn sie eine übergroße Zahl an Schützlingen zu betreuen haben. Selbst bei voller Auslastung waren nie mehr als drei Erzieher beschäftigt: einerseits war zeitweise einfach kein Personal zu finden (schon gar kein qualifiziertes), andererseits spielten auch finanzielle Überlegungen eine Rolle – zu hohe Lohnkosten würden die Preise unerschwinglich machen bzw. das ohnehin vorhandene jährliche Defizit weiter erhöhen. Zeitweise übernahmen auch einzelne Lehrer aus der Schule nachmittags Dienste im Internat.
Weltliche Erzieher wurden übrigens erst seit Anfang der 70er Jahre eingesetzt – der längst dienende ist der schon erwähnte Thomas Egger, ohne den sich heute niemand mehr das Meinhardinum – Internat vorstellen könnte.  Im heurigen Jahr waren es etwas mehr als 60 Schüler, die im Internat betreut wurden – nicht mitgezählt sind die Mädchen, die von den Don-Bosco-Schwestern in einem eigenen schönen Heim gegenüber dem Stift in hervorragender Art und Weise gehegt und gepflegt werden.
Insgesamt muss es wohl also positiv gesehen werden, dass heutzutage der Bedarf an Internatsplätzen geringer ist als früher: der Ausbau des Schulwesens auch im ländlichen Raum, die guten Bus- und Straßenverbindungen lassen die Nachfrage sinken. Daran ändert natürlich auch die im Sommer 1998 abgeschlossene Renovierung des Stiftsinternats nichts – nichts desto trotz finden Schüler, die aus welchen Gründen auch immer einen Internatsplatz brauchen, heute eine wirklich vorbildliche Heimstätte in Stams vor.

 

Die Heimleiter des Internats im Überblick
1949 - 1956 Pater Hermann Hoff 
1956 - 1958 Pater Stefan Köll 
1958 - 1967 Pater Bernhard Slovsa
1967 - 1969 Pater Meinhard (Raimund) Jandl 
1969 - 1970 Pater Norbert Schnellhammer 
1970 - 1974 Pater Augustin Neumüller 
1974 - 1977 Pater Gabriel Lobendanz
1977 - 1982 Pater German Erd 
1982 - 1996 Pater Augustin Neumüller 
1996 - 1998 Pater Nivart Schneeberger
1998 - 2003 Mag. Manfred Waltner
2003 - xxxx FL Thomas Egger