Spektrum 2008
die Zeitschrift des Meinhardinums


Redaktion: Mag. Walter Kimeswenger
spektrum08(at)meinhardinum.at
 

Auszüge aus dem Spektrum 2008
Das Spektrum 2008 kann in gedruckter Form über das Schulsekretariat um 5 Euro erworben werden.

Vorwort von Abt Direktor Mag. German Erd


Liebe Altstamser!
Liebe Freunde unseres Hauses!
Liebe Leserinnen und Leser!

Mit der neuen Ausgabe des Spektrum wollen wir Sie wieder teilhaben lassen an unserem Leben im Meinhardinum und im Stift insgesamt.
Der Tod unseres Altabtes Josef M. Köll hat uns alle bewegt und es ist uns wieder deutlich geworden, wie sehr doch Personen unseren Alltag prägen und die Atmosphäre des Hauses bestimmen.
Die menschliche Begegnung und das Miteinander sind es, die Lebendigkeit und Farbe in unser Leben bringen und letztlich über Gelingen oder Misslingen unseres Lebens entscheiden.
Ein Kalenderspruch sagt: Man kann dem Leben nicht mehr Tage geben, aber den Tagen mehr Leben. Und das ist wohl überhaupt das Motto unserer Lebensberufung und auch der tiefste Sinn von Bildung: unseren Tagen mehr Leben geben. Uns an diese Weisheit zu erinnern ist gerade in unserer Zeit wichtig, wo Bildung immer häufiger nur noch als Vermittlung von unmittelbar umsetzbaren Fertigkeiten verstanden wird.
Wahre Bildung meint immer den ganzen Menschen. Sie weitet den Horizont, schärft den Blick für das Wesentliche und gibt den Dingen des Lebens den rechten Stellenwert. Sie macht kreativ und ermöglicht es, Verbindungen herzustellen und neue Lösungen
aufkeimen zu lassen.
In den Dienst solcher Bildung will sich auch das Meinhardinum stellen und es freut mich, dass sich nicht nur unsere Lehrer, sondern auch unsere Schülerinnen und Schüler ihre Gedanken machen, was wahre Bildung ist und auszeichnen soll, was der in diesem Heft abgedruckte Aufsatz von Claudia Gstir bezeugt. Die Schülerin stellt darin die Frage, was Bildung für unsere Gesellschaft bedeutet, welchen Stellenwert wir ihr beimessen und sie zeigt auf , wie geartet Bildung sein muss, um die Basis für ein gedeihliches Miteinander sein zu können.
Für das gute Miteinander im vergangenen Schuljahr danke ich der gesamten Schulgemeinschaft sowie den Mitbrüdern im Stift und den Erziehern im Internat.

Wir Menschen sind nicht programmierte Arbeitsmaschinen, die ständig produktiv sein können.
Während des Schuljahres müssen wir häufig mit Spannungen leben und leben lernen.
Für die kommenden Wochen wünsche ich Ihnen allen viel Entspannung und Erholung.
Ihr
Abt German Erd
Direktor

 

Abschied von Altabt Josef M. Köll


 

Nach schwerer Krankheit ist Altabt Josef am 1.März 2008 im 80. Lebensjahr verstorben. Im Juni 1954 zum Priester geweiht unterrichtete der aus Stams gebürtige P.Josef zunächst als Katechet an der damals im Stift untergebrachten Holzfachschule, wirkte als Erzieher und Heimleiter im Hauptschulinternat und als Religionslehrer in der 1949 gegründeten Maturaschule, wo er 1964 als Klassenvorstand die Maturanten zur ersten im Stift abgehaltenen staatlichen Reifeprüfung führte.
Nach Jahren als Pfarrer in Sautens, Prior in Meran und Religionslehrer an Südtiroler Schulen wurde er zum 43.Abt des Stiftes Stams gewählt und kehrte als Protektor und Religionsprofessor an das Meinardinum zurück. Wenn es seine Zeit erlaubte, nahm er am Geschehen an unserer Schule, an diversen Lehrerfestln regen Anteil. Unvergessen bleiben sein trockener und oft hintergründiger Humor, seine legendären Aufmerksamkeiten in Form von Gummibärchen und Geburtstagsglückwünschen, sein passionierter Einsatz für die „Rauchenden“ und auch seine unkonventionellen Religionsprüfungen bei der Matura.
Dass er ein Kultur- und Kunstexperte war, wissen viele und erinnern sich an die unter seiner Patronanz gelungene Restaurierung von St. Peter bei Schloss Tirol, an umfangreiche Renovierungsarbeiten am Stift Stams, die Errichtung des Museums, seine Bemühungen um die Übersiedlung der pädagogischen und religionspädagogischen Akademie nach Stams, die grandiose Landesausstellung 1995 „Eines Fürsten Traum“ in Stams und Meran und an seine vielen kompetenten und amüsanten Kunstführungen. Weitgehend unbemerkt ist sein soziales und karitatives Engagament geblieben: bei der Bruderschaft St.Christoph, deren Präsident er später wurde, als Mitgied des Kuratoriums zur Erhaltung der Innsbrucker Hofkirche, als aktives Mitglied beim Rotary Club Imst-Landeck.
Abt Josef war ein gerngesehener Gast bei vielen Veranstaltungen, Einweihungen und Feierlichkeiten, schrieb Artikel für verschiedene Zeitungen und hielt beeindruckende Predigten und Reden. Mit unzähligen Menschen ist er zeit seines Lebens in Kontakt gekommen, viele davon haben bei der Beerdigung am 7.März Abschied von ihm genommen: seine Familie, 120 Geistliche, Landtagspräsident Prof. Helmut Mader, nahezu die gesamte Landesregierung mit LH Herwig van Staa, Bundesminister Günther Platter, Vertreter der Kulturabteilung des Landes, starke Abordnungen der Polizei mit Landeschef Oskar Gallop, der Schützen mit Landeskommandant Sarnthein, der Bruderschaft St.Christoph, alle Stamser Traditionsvereine, 31 Fahnenabordnungen, unzählige Bürgermeister und Abgeordnete zum Landtag, Bundes- und Nationalrat, viele Freunde und Bekannte des Verstorbenen, der Lehrkörper des Meinhardinums, Lehrende an der Kathol. Hochschule Edith Stein und Vertreter des Landeschulrates mit Hofrat Thomas Plankensteiner.
Den Sterbegottesdienst leiteten Diözesanbischof Manfred Scheuer, Erzbischof Alois Kothgasser aus Salzburg, Bischof Wilhelm Egger von Brixen/Bozen und der Abt-Präses Kassian Lauterer von der Mehrerauer Zisterzienserkongregation. Abt German hielt einen von Herzlichkeit und Dankbarkeit geprägten Nachruf und würdigte die Verdienste seines Vorgängers, der 18 Jahre lang die Geschicke des Stiftes gelenkt hatte. Abt Josef wurde am Fuße des Nepomukaltars in der Basilika beigesetzt. R.I.P.

Helmut Hörmann

 

 

Beisetzung Abt Josef M. Köll – Stift Stams – 7. März 2008

Liebe Mitbrüder!
Liebe Angehörige und Freunde unseres Altabtes,
Brüder und Schwestern im Herrn!


Als große Trauergemeinde sind wir heute hier versammelt, um Abschied zu nehmen von unserem lieben Abt Josef, um ihm die letzte Ehre zu erweisen und um für ihn in diesem Sterbegottesdienst zu beten.
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Viele Jahre, lieber Abt Josef, hast du mit den Spannungen zwischen Vision und Wirklichkeit, zwischen Actio und Contemplatio, die im Besonderen mit dem Amt des Abtes verbunden sind, gelebt, hast sie durch deinen Alltag durchgetragen und bist dabei doch ein froher und gelassener Mensch geblieben, der mit sich und seiner Umwelt zufrieden war. So haben wir dich immer wieder erlebt, auf der Gartenbank da drüben unter der Kastanie sitzend, meist in eine Zeitung vertieft oder mit Menschen plaudernd, auf jeden Fall aber Dein Zigaretterl inhalierend und zufrieden hast du den blauen Rauch der Weite des Alls anvertraut. Und ich meine, diese Ruhe und Gelassenheit das ist wohl auch der innerste Grund, der die Menschen immer wieder zu Abt Josef kommen hat lassen. Inmitten der Hektik unserer Zeit war da jemand, der für sie diese Ruhe ausgestrahlt hat, nach der sie sich im Innersten gesehnt haben, jemand, der in seinem Glauben und in seiner klösterlichen Lebenswelt gefestigt war ,aber doch offen und nicht verbissen und verklemmt. Bei Abt Josef haben viele Menschen jemanden gefunden, bei dem sie sich gut aufgehoben und verstanden wussten. Sein trockener Humor hat so mancher Verbissenheit und verfahrenen Situation die Härte genommen.

Lieber Abt Josef! Du konntest in deiner Zeit als Abt viel Positives erleben. Nennen möchte ich hier nur den Freundeskreis, der sich etabliert hat und in dem sich Menschen finden, die mit dem Stift und dem Konvent in geistiger Weise verbunden sein wollen und bereit sind, auch einen materiellen Beitrag zu leisten. Durch solche Menschen kann das Stift in die Gesellschaft hinauswirken.
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Werte der Heimat und der Tradition waren für unseren Abt Josef immerein großes Anliegen. Die Schützen mit ihrer Pflege dieser Werte waren ihm immer ganz wichtig und gerne war er bei Schützen- und Bataillonsfesten dabei und hat den Festgottesdienst zelebriert.
Abt Josef hat aber auch verstanden, dass der Glaube die kleine Kraftquelle und die immerwährende Vertiefung braucht und so hat er sich gerade in Südtirol sehr für die Cursillo-Bewegung engagiert und in seiner Funktion als Präsident der rührigen Bruderschaft St. Christoph am Arlberg hat er immer wieder die soziale Verpflichtung unseres Glaubens betont.
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Lieber Abt Josef! Du hast dich ein Leben lang redlich bemüht, mögen dir nun in der Stunde deines Hinscheidens die Herrenworte gegolten haben: Da du über das, was ich dir anvertraut habe getreu warst, will ich dich über vieles setzen. Komm, geh ein in die Freude deines Herrn. Amen.

(Abt German Erd)