Spektrum 2007
die Zeitschrift des Meinhardinums



Redaktion: Mag. Walter Kimeswenger
spektrum08(at)meinhardinum.at
 

Auszüge aus dem Spektrum 2007
Das Spektrum 2007 kann in gedruckter Form über das Schulsekretariat um 5 Euro erworben werden.

Sehnsucht Frieden - Stamser Friedens-Erklärung 2006

Gebete am Stiftsbrunnen mit Abt German und P. Maximilian


„An dem Tag, an dem wir voller Überzeugung sagen können, dass alle Kinder dieser Welt unsere Kinder sind, beginnt der Frieden auf Erden“
Dieses nahezu utopisch anmutende und an Martin L. King und seine Rede „I Have a Dream“ erinnernde Zitat stammt von SOS-Kinderdorf-Gründer Hermann Gmeiner und dient gleichsam als Motto und Zielvorstellung für eine überschaubare Gruppe glaubender Menschen, die sich zum Ersten Friedensforum im Herbst 2006 in Telfs und im Stift Stams treffen.
Schon seit Jahren gibt es Kontakte zwischen der Theologischen Fakultät der Univ. Innsbruck mit dem Forschungsschwerpunkt „Religion – Gewalt – Kommunikation – Weltordnung“ und dem Freundeskreis der Friedensglocke des Alpenraums in Mösern. Angesichts des weltweiten Terrors, kriegerischer Auseinandersetzungen und Bedrohungen durch die Transformation aller Lebensbedingungen ist der Wunsch nach Frieden ein Gebot der Stunde. Die Menschen sind, so der Innsbrucker Theologieprofessor Dr. Roman Siebenrock beim dreitägigen Symposium in Stams, „nicht Spielbälle, sondern können Akzente setzen und Initiativen ergreifen, indem sie ihren eigenen Lebensraum gestalten“. In Workshops und bei Impulsreferaten, bei Besuchen in christlichen Gotteshäusern und in der muslimischen Moschee, beim gemeinsamen Beten, Essen und Feiern werden Grenzen überwunden, werden Brücken des gegenseitigen Vertrauens und der wechselseitigen Wertschätzung gebaut und die Überzeugung vermittelt, wie bereichernd Vielfalt sein kann. So versammeln sich die Teilnehmer, Männer und Frauen muslimischen, jüdischen und christlichen Bekenntnisses und ein buddhistischer Mönch im Chor des Stiftes Stams im Anliegen des Friedens, um sich beim gemeinsamen Beten vereint zu erfahren. Beeindruckend ist auch der Abend in der Speckbacher-Villa mit Musik aus dem Orient, eindringlich die von Dr. Stefan Dietrich im Telfer Noafl-Haus konzipierte Ausstellung „Vom Kommen, Gehen und Bleiben in Tirol“.
Dialog und Begegnung scheinen – so Gastgeber Abt German Erd und Gäste wie LR Dr.Erwin Koler, der Telfer Bürgermeister Dr. Stephan Opperer und der Dekan der Theologischen Fakultät Prof. Dr. Jozef Niewiadomski – die einzigen gangbaren Wege, um eine Zukunft zu gestalten, die sowohl den verfassungsrechtlichen Grundlagen eines demokratischen Staates entspricht als auch die Freiheit der Glaubensüberzeugung für jeden Menschen gewährleistet.
Im Verlauf dieses Forums wird die „Stamser Friedenserklärung“ formuliert und unterzeichnet. Den Abschluss bilden Gebete und Segenswünsche am Brunnen im Stiftsgarten, moderiert vom Stamser Konventualen P. Dr. Maximilian Geier. Als bleibendes Zeichen dieser Begegnung wird eine Friedenseiche gepflanzt. Sie soll daran erinnern, dass sich die Teilnehmer dazu verpflichtet haben, diesen Weg des Dialogs zu gehen und Vorurteilen und Diskriminierungen entschieden entgegenzutreten, aber auch die Kultur der Gastfreundschaft und gegenseitigen Achtung im Alltag zu pflegen und zu stärken.
 

Helmut Hörmann
 

Vertreter unterschiedlicher Glaubensrichtungen pflanzen gemeinsam eine Eiche
v.l. Abt German, Dekan Niewiadomski, Hodscha Fuat Ayik, Br. Mag. Philipp Wahlmüller OFM,
Rabbi Israel Meron, Mönch Dschangtschub Püntsog
 

Auszüge aus der Friedenserklärung:
„Unser Denken und Handeln heute ist das Schicksal unserer Kinder von morgen.“
Weil wir davon überzeugt sind, dass Religionen auch in Zukunft eine gewichtige Rolle spielen werden,
weil wir davon betroffen sind, dass Religionen oftmals in der Gegenwart einseitig als Quelle der Gewalt diffamiert werden,
weil wir diese ausgrenzende Einschätzung der Religionen als unzutreffend ansehen und dadurch das integrative Potential der religiösen Tradition für den anstehenden und unausweichlichen Prozess gesellschaftspolitischer Anerkennung und Vermittlung des bleibenden weltanschaulichen Pluralismus nicht ausgeschöpft wird,
weil wir erfahren, wie viele Vorurteile, Ängste und Zerrbilder von den jeweils Anderen im Umlauf sind,
weil wir aber ebenso wissen, wie viele Initiativen für Verständigung und Begegnung existieren und wie viele Kontakte, Beziehungen und Freundschaften auch bei uns zwischen Menschen unterschiedlichster Überzeugungen lebendig sind und das Miteinander neu gestalten, wurde das Friedensforum Mösern-Telfs-Stams gegründet.“

 

Die Tirol-Karte von Peter Anich und Blasius Hueber aus dem Jahre 1774



Der südliche Teil der Anich-Karte mit Stele und Legende


In den reichhaltigen Sammlungen des Stiftes Stams befindet sich auch eine Vielzahl älterer Atlanten und Einzelkarten. Eine dieser Karten ist der so genannte >Atlas Tyrolensis<. Diese erste Landkarte Tirols, die auf der Basis von Vermessungen erstellt wurde und zu den international bedeutendsten kartographischen Leistungen des 18. Jh. zählt, stammt von zwei Männern, die unter der Bezeichnung >Bauernkartographen Tirols“ bekannt wurden und nach denen in Tirol nicht nur Straßen und Wege, sondern auch Hütten oder Ausbildungszentren benannt wurden und denen in ihrem Heimatort Oberperfuss ein eigenes Museum gewidmet ist.
Der eigentliche Name der Karte ist >Tyrolis sub felici regimine Mariae Theresiae Rom. Imper. 1774< - kurz auch als >Atlas Tyrolensis< oder als >PeterAnich-Karte< bezeichnet. Sie ist das Werk von zwei beeindruckenden Männern – von Peter Anich (1723-1766) und Blasius Hueber (1735-1814), die als Bauernsöhne in Oberperfuss geboren wurden und beide als Autodidakten bezeichnet werden können.
Peter Anich, der vermutlich nie geregelten Schulunterricht genoss, fiel schon in jungen Jahren als Erbauer von Sonnenuhren auf. Noch heute kann man in Unterperfuss eine dieser berühmten Sonnenuhren (aus dem Jahr 1745) bewundern, die er so konstruierte, dass der Schatten nicht nur die Stunde, sondern auch den Monat anzeigt und dadurch auch zu einer Art Kalender wird. Er konstruierte im Laufe seines relativ kurzen Lebens noch eine Vielzahl anderer Instrumente. Die Palette reicht von Taschensonnenuhren und Bussolen bis hin zu Erd- und Himmelsgloben (befinden sich im Tiroler Landesmuseum). Als beinahe 30-jähriger kam er in Kontakt mit dem Innsbrucker Jesuitenpater Ignaz Weinhart, der an der Universität Mathematik lehrte. Durch ihn konnte er sein Wissen in Mathematik und Astronomie erweitern. Noch wichtiger war jedoch, dass dieser ihn unterstützte, indem er ihn mit Aufträgen versorgte. Nachdem Anich 1759 eine Karte des südlichen Tirol fertiggestellt hatte, die von Freiherr von Sperg zwar begonnen, aber nicht beendet werden konnte, bekam er auf Weinharts Initiative 1760 auch die Geldmittel bewilligt, um das nördliche Tirol zu vermessen und eine Karte anzufertigen.
Zwischen 1760 und 1763 gingen die Vermessungen rasch voran. Der von ihm vorgesehene Maßstab (nach heutigen Einheiten 1: 103.000) wurde jedoch nicht bewilligt und man zwang ihn den Maßstab auf jenen der Karte Spergs (1: 121.000) zu reduzieren und die Karten umzuzeichnen. Es wurde ihm dann befohlen, ganz Tirol auf 9 Blättern darzustellen, was eine weitere Reduktion des Maßstabes (1: 138.000) notwendig machte. Peter Anich konnte 3 Blätter vollenden, bevor er 1766 auf Grund seiner schwachen körperlichen Konstitution an den Strapazen seiner Vermessungsarbeit (vermutlich an Sumpffieber erkrankt) starb.
Dass die Karte jedoch vollendet werden konnte, verdanken wir Blasius Hueber, den sich Peter Anich erst im Jahre 1765 als Gehilfen geholt hatte und der sich in kürzester Zeit die nötigen Kenntnisse aneignete und so das Werk seines Lehrmeisters fertigstellen konnte. Er musste dazu auch den gesamten Teil des südlichen Tirol nochmals neu vermessen. Die Vermessungsarbeiten wurden 1769 abgeschlossen, in den Jahren danach die Reinzeichnungen und Druckvorbereitungen ausgearbeitet. In Wien wurde die aus 2 Teilen bestehende Karte dann von Johann Ernst Mansfeld auf 20 Blättern in Kupfer gestochen. Sie erschien 1774 in einer Auflage von 1000 Exemplaren, die schnell vergriffen waren und eine größere Zahl von weiteren Abdrucken nötig machte.
Die Reinzeichnungen der Karte des nördlichen Tirol sind erhalten geblieben und werden zusammengeklebt und aufgezogen im Tiroler Landesarchiv aufbewahrt. Das Exemplar in Stams besteht aus 2 Teilen – >Tirol gegen Norden< und >Tirol gegen Süden< aus je 10 zusammengefügten Einzelblättern. Beide Kartenteile wurden in den letzten Jahren restauriert.
Beim Anblick der Anich-Karte fällt neben dem reichen kartographischen Informationsgehalt auch sofort die künstlerische Gestaltung auf. Gestaltungselemente in Vignetten schmücken die Karte. Dazu gehören z.B. eine Stele mit dem Bildnis von Kaiserin Maria Theresia, Darstellungen von allegorischen beziehungsweise menschlichen Figuren, mit denen die wichtigen Einnahmequellen des Landes (Viehzucht, Weinbau, Gewerbe und Handel) versinnbildlicht werden, oder der Tiroler sowie der österreichische Adler.
Die besondere Bedeutung dieser Karte für die Kartographie und ihr Ruhm haben aber vor allem inhaltliche Gründe. Für Tirol war es die erste Karte, die auf einer geodätischen Vermessung basierte, außerdem stellte sie mit ihrer Größe und Präzision die erste einheitliche Karte eines europäischen Landes dar. Die Präzision beruht auf neu eingeführten, aufwendigen Messmethoden – dem Verfahren der Triangulation.
Die Geländedarstellung entspricht der gängigen Perspektivenmanier der damaligen Zeit – es wurde die Halb- oder Kavaliersperspektive angewandt, bei der das Gelände überall unter dem gleichen Winkel von ca. 45 Grad gesehen wird. Durch einen fiktiven Lichteinfall aus Süden bis Westen erhalten die Geländestrukturen bessere Konturen. Die große Fülle an herausgearbeiteten topographischen und thematischen Details wird mit über 50 Signaturen dargestellt. Diese und die vielen Namensbezeichnungen verleihen der Karte einen sehr hohen Informationsgehalt und machen sie so auch besonders für Historiker zu einer reichen Fundgrube.
Die Darstellung der Siedlungen erfolgt in 8 verschiedenen Signaturen (Städte, Märkte und 6 Typen von ländlichen Siedlungen), sodass man auf die Größe und Art schließen kann. Auch Einzelhöfe und Wirtshäuser werden mancherorts angeführt. Die Adelssitze (Schlösser, Burgen und diverse Ansitze) erfahren besondere Berücksichtigung, wobei jedoch auch Ruinen dargestellt werden, die historisch nicht nachweisbar und nur das Resultat von alten Geschichten und Sagen sind.
Die Einrichtungen der katholischen Kirche sind genauestens eingetragen – Bischofssitze und Pfarren, Klöster, Abteien und Wallfahrtsorte, auch Einsiedeleien und einzeln stehende Kirchen bzw. Kapellen werden mit eigenen Signaturen symbolisiert.
Wirtschaftliche Informationen erhält man indirekt über die Darstellung vom bereits schwindenden Bergbau (es sind aber immerhin noch rund 40 Bergwerke und 20 Schmelzhütten eingezeichnet) und die namentliche Erwähnung von fast 600 Bergen und rund 1000 Almen – ein deutlicher Hinweis auf die Bedeutung der Weideviehhaltung.
Besonderes Augenmerk galt der Darstellung der Gewässer – Flüsse, Bäche und Seen sind in einem dichten Netz mit relativ großer Verlaufsgenauigkeit dargestellt. Auch Sumpfgebiete und Auen an den größeren Flüssen sind erkennbar. Die Ausdehnung der Wälder lässt sich hingegen nicht abschätzen, da das hierfür verwendete Symbol (stilisierter Nadelbaum) zu locker gesetzt ist und keine Interpretation des Grenzverlaufs zwischen unterschiedlichen Vegetationsformationen zulässt. Eher ist dies bei der Ausdehnung des Weinanbaus möglich.
Wie heute waren auch damals schon die Verkehrswege ein wichtiger Karteninhalt, wobei für den Handel und für militärische Zwecke vor allem die Frage nach der Befahrbarkeit mit Wagen bzw. Fuhrwerken entscheidend war. Deshalb wird zwischen der befahrbaren Landstraße und den nicht befahrbaren Wegen unterschieden.
Abgesehen von der Tiroler Landesgrenze, die topographisch genau verzeichnet ist, scheinen auch die Grenzen der einzelnen Gerichtsbarkeiten (vergleichbar den heutigen Bezirksgerichten) auf. Auch die Hoheitsgebiete der geistlichen Fürstentümer Brixen, Trient und Salzburg (ausgenommen Gericht Itter) werden der Grafschaft Tirol zugerechnet. Auf der Karte wird damit 1774 für Tirol bereits ein Gebietsanspruch erhoben, der erst zu Beginn des 19.Jh. mit der Einverleibung von Brixen und Trient (1803) und einiger Salzburger Gerichtsbezirke (1813/15) in die Grafschaft Tirol Realität wurde.
Die Anich-Hueber-Karte war so detailgenau, dass Napoleons Armee sie später zu ihrem Vormarsch nutzte, nachdem die Experten an der Pariser Sorbonne sie als >beste Karte des Jahrhunderts< gelobt und kopiert hatten. Fast 50 Jahre lang war diese Karte die wesentliche kartographische Grundlage für Tirol – erst ab 1823 wurde sie durch die Spezialkarte von Tirol, Vorarlberg und Liechtenstein (1:144.000) ersetzt, in welche die Resultate der Franziszeischen Landesaufnahme eingeflossen waren.
Für Blasius Hueber ergaben sich nach dem Erfolg der Tirol-Karte noch weitere Aufträge. Er erstellte unter anderem von 1771-74 auch eine Karte von Vorarlberg, die 1783 gedruckt wurde (ein Exemplar der Karte befindet sich ebenfalls in den Sammlungen des Stiftes Stams) und eine der Landvogtei Ober- und Niederschwaben, die 1782 in Druck kam.

Paul Hofmann
 

http://www.tirol.gv.at/fileadmin/www.tirol.gv.at/themen/kultur/landesarchiv/downloads/AtlasTyrolensis.PDF

 

Ikonenaustellung

Ein ganz besonderer Erfolg war heuer die Ikonenausstellung in unserem Stiftsmuseum. Über 4000 Besucher konnten gezählt werden. Wer sich die Zeit genommen hatte, eine gute Stunde bei den rund 350 ausgestellten Ikonen zu verbringen, der kam oft geradezu mit einem „Ikonen-Rausch“ aus dem Museum. So üppig war das Dargebotene. Man konnte wirklich einen ausgezeichneten Überblick über die Vielschichtigkeit dieser religiösen Kunstform gewinnen. Allen Respekt also den Ausstellungsmachern vom Ikonenmalkreis Innsbruck, für den diese Ausstellung in Stams natürlich ein willkommener Anlass war, die eigene Schaffenskraft aus 25 Jahren unter Beweis zu stellen! Wenn jemand böse über die Ikonenmalerei reden will, dann sagt er, dass das Malen von Ikonen im Grunde nur „Malen nach Zahlen“ sei. Doch das ist weit gefehlt! In der Tat geht es beim Ikonenmalen nicht darum, neue Ikonen zu entwerfen. Man hält sich demütig an die alten Vorbilder. Im Grunde gleicht das Ikonenmalen dem kunstfertigen Abschreiben von Büchern, wie es früher die Mönche gemacht haben. Doch jede neue Ikone verrät auch immer, die künstlerische Handschrift des Malers, der unzählige Stunden dafür hergibt, eine Ikone zu erstellen.  Die möglichst unveränderte Wiederholung der Darstellung ist mit dem Wesen der Ikone untrennbar verbunden: durch das Abbild schauen wir auf das Urbild.

Eine Ikone strahlt das aus, was in sie hineingemalt wurde, daher gibt jeder Ikonenmaler sein Bestes, um dem hohen Anspruch und der Verantwortung gerecht zu werden. Hierzu sind Achtsamkeit, Lernbereitschaft und Geduld auf dem Fundament des Glaubens notwendig. Der Betrachter begegnet der Ikone am besten nicht mit Neugier, sondern mit Andacht. Im orthodoxen Glauben repräsentiert die Ikone das Glaubensgeheimnis oder den Heiligen, der dargestellt ist, auf direkte Weise. So sind Ikonen Fenster zur göttlichen Welt, die uns daran erinnern, dass wir unser Leben geborgen in Gottes Geheimnis führen dürfen. Es umgibt uns wie ein Mantel, gewährt uns Schutz und Hilfe und ist allezeit für uns greifbar, wenn wir nur die Augen aufmachen. So war diese Ikonenausstellung auch eine Schule der Aufmerksamkeit für das göttliche Leben. Damit war sie in den Räumen unseres Stiftes genau richtig. Denn nicht anderes ist auch ein Kloster!

P. Dr. Maximilian Geier

 

Freundeskreis des Stiftes Stams
Jahreshauptversammlung und Buchpräsentation


Univ.Prof. Dr. Liselotte Zemmer-Plank

Zur JHV am 19.Jänner 2007 konnte die Obfrau des Freundeskreises, Univ. Prof. Dr. Liselotte Zemmer-Plank, eine große Zahl an Mitgliedern im Refektorium des Stiftes begrüßen und über ein arbeits- und veranstaltungsreiches Vereinsjahr berichten. Neben Vorträgen mit DI Hauser über „Restaurierungen“ und Prof. Ganzenhuber mit „Schigymnasium Stams, ein erfolgreicher Weg“, Führungen durch Stift und Ausstellungen, dem Besuch des Hl. Grabes in Mutters, zwei Ausflügen nach Oberbayern (Polling, Andechs) und im Herbst ins Pustertal (Innichen und St. Lorenzen) war die von Helmut Wlasak mitgestaltete Adventvesper mit 110 Teilnehmern der absolute „Renner“ im abgelaufenen Jahr. Der Aufruf zur Patenschaftsaktion für die Restaurierung von Graphik, Ölgemälden und Dürerblättern fand großen Anklang und der Verkauf der von Prof. Paul Flora zur Verfügung gestellten Graphiken erbrachte eine namhafte Summe, die dem Museum, der Kunstsammlung und der Dachsanierung zugeführt wurde. Für den rührigen Vereinsvorstand gab es viel Lob und herzlich war auch der Dank an die derzeit 760 Mitglieder. Den Abschluss des offiziellen Teils bildete eine Vorschau auf das Vereinsjahr 2007: „Baumaktion“ - für 150 neue Obstbäume werden Paten gesucht, Besuch des Hl. Grabes in Ranggen und Maiausflug nach Südbayern (Benediktbeuren), ein Blick hinter die Klostermauern mit dem Kräutergarten und dem Bienenhaus, eine Obstgartenführung mit Bruder Franz, ein Vortrag mit Univ. Prof. Walde und am Tag des Freundeskreises ein Ausflug nach Südtirol ins Bozner Unterland. Die Adventvesper im Dezember schließt traditionell das Arbeitsjahr ab.
Ein besonderes „Highlight“ dieser Jahreshauptversammlung war die Präsentation des neuen Buches von Dr. Florian Schaffenrath, zu der Abt German im vollbesetzten Refektorium viel Prominenz aus der Landeshauptstadt begrüßen konnte: Altlandeshauptmann Weingartner, Landesarchivdirektor Schober, Dompropst Huber, Univ. Prof. Dr. Posch, StR Oppitz-Plörer,
HR Wilhelm Kundratitz, Landespolizeikommandant Oskar Gallop, HR Hertha Arnold und Dr. Erhard von der Kulturabteilung, Dr. Mayr (Tiroler Landesversicherung), KR Huter (Eduard-Wallnöfer-Stiftung der Tiroler Industrie) und Archivare aus dem Landesarchiv.
Florian Schaffenrath hat das Copialbuch des Stamser Priors Benedikt Stephani ediert und kommentiert, das wegen der umfangreichen Korrespondenz mit 589 Briefen vor allem für die Kirchen-, Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichtsforschung von großem Interesse ist. Nach der Urbaredition von HR Werner Köfler, den Studia Stamsensia von Prof. Strnad (+) und der Edition und Übersetzung der Lebersorg-Chronik durch Archivar Dr. Haidacher ist dieses Buch die vierte diesbezügliche Publikation zu Stift Stams. Neben den Stams betreffenden Ereignissen während der letzten Jahre des Dreißigjährigen Krieges, dem Richtungsstreit in der Ordenskongregation und der Mitteilung wichtiger Beschlüsse und Entscheidungen sind es eine Reihe von Alltäglichkeiten, Wetterkapriolen, Postwesen und mitunter Banalitäten, die ein umfassendes Bild des Stiftes von 1640 bis 1671 ergeben und den Leser immer wieder auch schmunzeln lassen. Leider sind die Briefe nur in lateinischer Sprache abgedruckt und daher für den Nichtfachmann lediglich über die Regesten in Deutsch erschließbar. Der Altphilologe Dr. Schaffenrath, der sub auspiciis praesidentis promovierte, hat für diese 600 Seiten starke Arbeit den Förderungspreis der Eduard-Wallnöfer-Stiftung erhalten.


Helmut Hörmann