Spektrum 2005
die Zeitschrift des Meinhardinums



Redaktion: Mag. Walter Kimeswenger
spektrum08(at)meinhardinum.at
 

Auszüge aus dem Spektrum 2005
Das Spektrum 2005 kann in gedruckter Form über das Schulsekretariat um 5 Euro erworben werden.

Vorwort von Abt Direktor Mag. German Erd

Liebe Leserinnen und Leser!
Liebe Altstamser, liebe Freunde unseres Hauses!


Wieder halten Sie das Spektrum in Händen, das bewährte Bindeglied zwischen den Eltern, Lehrern und Schülern sowie zwischen der Schule und allen, die ihr und unserem Stift verbunden sind.

Gerade in diesem vergangenen Schuljahr war die österreichische Schule insgesamt in den Medien sehr präsent, meist jedoch nicht sehr positiv - vor allem nach den für unser Land enttäuschenden Ergebnissen der PISA-Studie. Dass jedoch in dieser Studie unseren Gymnasien ganz im Gegensatz zum sonstigen Trend ein sehr positives Zeugnis ausgestellt wurde und sie tatsächlich im europäischen Spitzenfeld platziert sind, wurde meist totgeschwiegen.

Über alle Reflexionen und Überlegungen zum Thema Schule hinweg muss im Vordergrund bleiben, dass Schule Wissen vermitteln und zum eigenständigen Wissenserwerb befähigen soll. Sie soll anregen zur Intuition und zum richtigen Lernen und sie soll die Bereitschaft fördern, eine Zusammenschau zu ermöglichen und in kritischer Distanz das Ganze zu bedenken. Sie soll soziale Kompetenz wecken, Gemeinschaft erfahrbar machen sowie zur Gemeinschaftsbildung und Rücksichtnahme anleiten.

Für uns als katholisches Stiftsgymnasium waren in diesem vergangenen Schuljahr der Tod von Papst Johannes Paul II. und die Wahl seines Nachfolgers ein besonders herausragendes Ereignis. Gerade Johannes Paul II. war es, der die kirchlichen Bildungseinrichtungen immer wieder aufgefordert hat, Erziehungsräume zu schaffen, die vom Geist der Freiheit und der Liebe des Evangeliums durchdrungen sind und in denen die jungen Menschen Hilfe erhalten, um unter der Führung des Geistes an Menschlichkeit zu wachsen. Die katholischen Schulen sollen dazu beitragen, das Göttliche und das Menschliche, das Evangelium und die Kultur, den Glauben und das Leben zu einer harmonischen Synthese zu vereinen. Mit der Wahl von Josef Ratzinger zum Papst dürfen wir uns freuen, dass damit ein Kardinal in das Petrusamt gewählt wurde, der noch im vergangenen Sommer unsere Abtei besucht hat. Sein Interesse an unserem Stift und am Meinhardinum sind uns allen noch in lebendiger Erinnerung. Wir wünschen ihm Gesundheit und Gottes Segen.

Freilich, unser Leben ereignet sich nicht im Außergewöhnlichen, sondern an den gewöhnlichen Wochentagen des Jahres. Durch zahlreiche Eigeninitiativen und großes Engagement der Lehrpersonen sowie der Eltern- und Schülervertreter ist auch dieses vergangene Schuljahr wieder zu einem recht bunten Puzzle geworden, mit zahlreichen schulischen, sportlichen und sozialen Aktivitäten. Für das konstruktive Miteinander gilt allen mein Dank.

Ein besonderer Dank gilt unserem langjährigen Administrator OStR Prof. Karl Palfrader. Sein kompetenter Einsatz für das Meinhardinum war stets von Idealismus und vorbildlicher Pflichterfüllung getragen. Er wird uns fehlen. Seinem Nachfolger als Administrator, Prof. Wolfgang Ladner, wünsche ich viel Kraft, Freude und Elan in seiner neuen Aufgabe.

Der Prozess der Schulentwicklung ist auch in diesem Schuljahr weitergegangen und hat sich vor allem auf das Aufbaurealgymnasium mit seinem naturwissenschaftlichen Schwerpunkt konzentriert. Das Gymnasium will eine gediegene und gerade in der heutigen Zeit wieder sehr gefragte Allgemeinbildung vermitteln. Es geht also nicht primär um Ausbildung, sondern um Bildung und damit auch um mehr Lebensqualität.

Ihnen allen wünsche ich viel Freude bei der Lektüre und verbleibe mit der Bitte um weitere Verbundenheit

Ihr Abt German Erd
Direktor
 

Eine Institution geht in Pension


OSTR Prof. Mag. Karl Palfrader

Am Meinhardinum gibt es seit geraumer Zeit eine Institution, die als Anlaufstelle für Probleme jeglicher Art fungiert und von jeder Ebene der Schulorganisation, d.h. von Schülern, Lehrern und auch Direktor oft und gerne in Anspruch genommen wird. Sie ist bzw. war zuständig für den Unterricht in Geschichte und Geographie mit besonderer Berücksichtigung der Alten Geschichte und der Südtirolproblematik, jegliche Fragen der Heraldik und Vexillologie, Nachhilfe in Latein, den ordnungsgemäßen Ablauf des Schultages, Begutachtung der Garderobe der Kolleginnen, zahllose administrative Tätigkeiten von der Erstellung des täglichen Supplierplans bis zum Schreiben der Zeugnisse. Doch nicht genug damit: Auch Personalvertretung in Dienststelle und Fachausschuss, Verteilung der Gratisschulbücher, Aufsicht über die Raucher, Patschenkontrolle, Verwaltung der Lehrerkasse und der Essenskasse für das Stift gehörten zu den Aufgaben. Schließlich wären noch zu nennen: die Aufrechterhaltung des Kontaktes mit dem Vinzentinum in Brixen, die außerschulische Erziehungsarbeit bei der KÖStV Bernardia und sogar die vorübergehende Betrauung mit der Schulleitung. Und diese Institution heißt Prof. OStR Mag. Karl PALFRADER.

Prof. Palfrader kam nach einem Jahr Unterrichtstätigkeit in Volders im Jahre 1970 als Lehrer für Geschichte und Geographie ans Meinhardinum, das damals noch im Hauptgebäude des Stiftes untergebracht war und von Abt Bernhard als Direktor geleitet wurde. Wie auch seine Kollegen Dr. Klingler und Dr. Mair wohnte er bis zu seiner Heirat im Jahre 1973 in einer Frühstückspension in Stams. Sonstige Verpflegung gab es im Stift und abends genehmigte man sich als Ausgleich im Kreise der Kollegen noch ein Gläschen im „Römisch-deutschen Kaiser“ in Mötz. Es war dies die Zeit, in der das Meinhardinum im Vergleich zu heute eher ein Familienbetrieb war, der hauptsächlich aus Internatsschülern bestand. Unter seinen ersten Schülern befanden sich auch die heutigen Lehrer Dr. Estermann, Mag. Hörmann und Mag. Windegger. Auch wenn man es heute kaum glauben würde, soll er anfangs einer der gefürchtetsten Lehrer gewesen sein.
In der Mitte der 70er Jahre kam es zur Reaktivierung der damaligen Ferialverbindung Bernardia. Ob dies eine Idee der Studierenden war oder die eines gewissen Professors, wird nicht mehr geklärt werden können. Wie auch immer, seit diesem Zeitpunkt lassen sich die Begriffe „Bernardia“ und „Karl Palfrader“ nicht mehr voneinander trennen. Der Verbindung und somit den jungen Bundesbrüdern widmete er wohl den größten Teil seiner Freizeit, sodass ihm für seine Verdienste neben der höchsten Auszeichnung, dem „Dr.cerevisiae.“, ein Ehrenband mit der Aufschrift „Patri Bernardiae Novae“ verliehen wurde.
Ein weiteres Betätigungsfeld tat sich für ihn Anfang der 80er Jahre auf, als es galt, auch an katholischen Privatschulen Personalvertretungen nach dem Muster der öffentlichen Schulen einzurichten. So betrieb er gemeinsam mit Kollegen aus anderen derartigen Schulen die Installierung von Betriebsräten, was auch am Meinhardinum gelang. Karl Palfrader war also an unserer Schule der erste Betriebsratsobmann. Er bemühte sich dabei mit Konsequenz und Gespür für das Mögliche um alle Belange der Lehrer. Gleichzeitig war er im Fachausschuss für die Angelegenheiten der katholischen Privatschulen zuständig. Ich erinnere mich noch gut an so manche Sitzung, in der er eloquent und humorvoll den schmunzelnden Zuhörern das jeweilige Problem darlegte und Lösungsvorschläge unterbreitete.

Nach der Pensionierung von Prof. Raimund Jandl wurde Prof. Karl Palfrader sein Nachfolger als Administrator und zugleich Stellvertreter des Direktors in dessen Abwesenheit. Während der tägliche Supplierplan bisher händisch erstellt werden musste, hielt nun die neue Technik im Büro des Administrators Einzug. Innerhalb kürzester Zeit konnten eine zweite oder auch mehrere Varianten angefertigt werden, gekennzeichnet durch „superneu“, „meganeu“ oder „giganeu“. Vermerke dieser Art, aber auch Abwesenheitsgründe von Kollegen wie „Aeberli lahmt“, „Palfrader konferiert zwischen“ oder „Ruskij urok vypadaet“ brachten ein wenig Farbe in das Grau des Dienstbuches, wobei ihn scheinbar nichts aus der Ruhe bringen konnte, es sei denn, die telephonische Abmeldung eines Kollegen erfolgte nach 7:25 Uhr.

So hat Karl Palfrader 35 arbeitsreiche Jahre im Meinhardinum verbracht, und das immer gemäß der von ihm selbst aufgestellten Rangordnung seines Handelns „zuerst kommt der Schüler, dann der Lehrer, nachher Schule und Stift und schließlich der Staat“. Beachtenswert dabei ist, dass er so gut wie nie gefehlt hat, obwohl er allen sportlichen Aktivitäten mit Konsequenz und Beharrlichkeit auswich. Die wenigen Erfahrungen, die er notgedrungen machen musste (Wandertage, Sporttage etc.), bestärkten ihn in seiner sportlichen Abstinenz. Aus verlässlichen Quellen hört man allerdings, dass er seit neuestem täglich einen halbstündigen flotten Fußmarsch unternimmt, wobei er nach Tunlichkeit Begegnungen mit Hunden vermeidet. Ja sogar von Übungen auf einem Hometrainer wurde schon berichtet.

So schwitzt und strampelt er nun der Pension entgegen, für die er noch große Pläne hat. Wir wünschen ihm dazu viel Kraft und Ausdauer.


OStR Mag. Heinz Grasmair