Spektrum 2003
die Zeitschrift des Meinhardinums



Redaktion: Mag. Walter Kimeswenger
spektrum08(at)meinhardinum.at

 

Auszüge aus dem Spektrum 2003
Das Spektrum 2003 kann in gedruckter Form über das Schulsekretariat um 5 Euro erworben werden.

Vorwort von Direktor P. Mag. German Erd


Liebe Schulgemeinschaft, liebe Altstamser und Freunde unseres Hauses!


Mit dieser Ausgabe des SPEKTRUM darf ich euch allen als der neue Leiter des Meinhardinums einen herzlichen Gruß entbieten.
Uns alle verbindet das Interesse an diesem Haus, das eingebettet ist in die Tradition des Stiftes. In Stams befinden wir uns an einem historisch sehr geprägten Ort. Meinhard II., der Schmied von Tirol, hat dieses Stift gegründet und es dem Land als ein Vermächtnis für eine gedeihliche Zukunft mit auf den Weg gegeben. Die beiden Türme des Fürstentraktes sind Zeugen so mancher für unser Land schicksalhaften Entscheidung, die hier getroffen wurde.

Tempora mutantur. Heute sind es nicht mehr die Fürsten, sondern heute sind es die Schülerinnen und Schüler, die im Schatten dieser Stiftstürme gemeinsam lernen, gemeinsam Pläne schmieden, gemeinsam an Projekten arbeiten und gemeinsam so manch unbeschwerte Stunde verbringen. Geblieben aber ist, dass auch sie auf ihre Weise die Zukunft unseres Landes, sei es in ihrem eigenen, ganz persönlichen Lebensbereich oder im gesellschaftspolitischen Engagement in einem weiteren Horizont mitgestalten werden.

Das Meinhardinum will allen, die hier die Schule besuchen, nicht nur Ausbildungsstätte, sondern auch ein Stück Heimat sein. Und so ist das Meinhardinum sowohl für uns, die wir hier sind und arbeiten, als auch für die Altstamser das uns Verbindende, ist es doch Teil unserer eigenen ganz persönlichen Lebensgeschichte geworden.

Das Stift in seiner historischen Dimension soll uns helfen, die Dinge unseres Alltags im Zusammenhang eines größeren Ganzen zu erfassen und in einem gemeinschaftlichen Miteinander einen Weg zu gehen, der uns nicht in die Enge einer Sackgasse führt, sondern hinaus in die Weite des Lebens. Diese Weite soll uns freilich nicht verloren erscheinen lassen, sondern sie soll uns beflügeln zu neuen Taten: zu Taten des Guten, in denen wir uns in unserem ganzen Menschsein verwirklichen können und Spuren unserer selbst hinterlassen.

In unserem Leben müssen wir uns immer neuen Herausforderungen stellen, sowohl im schulischen als auch im beruflichen und familären Alltag. Wir wissen aber, dass wir in diesem Alltag nicht allein unterwegs sind, sondern unseren Weg mit all jenen gehen, die uns durch die gemeinsame Schulzeit, aber auch durch die gemeinsamen Werte verbunden sind.

Ich wünsche uns allen, dass es für jeden Einzelnen von uns ein guter Weg sei, der vom Segen Gottes und viel persönlichem Lebensglück begleitet sein möge.


Euer
P.German Erd
Direktor
 

Großbaustelle „Stiftsdächer“


Seit Jahren gehören Gerüste und Baukran zum Erscheinungsbild des Stiftes. Dahinter steht die Notwendigkeit der Sanierung der Dachstühle und die Neueindeckung der Dächer.
Begonnen hat das Großprojekt mit der Stiftstürmen. Im Zuge dieses Projekts wurde der alarmierende Zustand der Dachkonstruktionen entdeckt, eine Kostenschätzung durch den Architekten und die Landesbaudirektion vorgenommen und ein Finanzierungs- und Bauphasenplan ausgearbeitet.
Durch die schadhaften Dachziegel konnte ungehindert Regenwasser in den Dachraum eindringen und Sparren und Deckenträme schädigen. Das hatte zur Folge, dass sich die Dachstühle senkten und damit die darunter liegenden Räume gefährden. Besonders schlimm sind die Schäden über dem Bernardisaal und im Bereich des Stiegenhauses des Internats. Bei der Sanierung werden faule und schadhafte Hölzer ausgetauscht und die alten Verbindungen der Barockdachstühle wieder hergestellt, neue Dachlatten montiert und mit Biberschwänzen gedeckt.
Nach der Fertigstellung der Türme wurden die Schäden am Fürstentrakt zwischen den Türmen und dem Bernardisaal behoben. Deutlich erkennbar ist der sanierte Teil an den neuen roten Dachziegeln. Im vergangenen Jahr wurde der Dachstuhl über dem Stiegenhaus des Internats gesichert und instand gesetzt. Parallel dazu musste das Mauerwerk des Fürstensaales statisch gesichert und die Giebelmauer, die sich geneigt hatte, mittels Ringanker fixiert werden.
Heuer wurde der Dachstuhl im Bereich über der Pforte, Prälatenstiege und Bernardisaal in Angriff genommen. Gerade über dem Saal ist dies kein leichtes Vorhaben, da dort die Laterne bereits in den Dachstuhl hineinreicht bzw. die bemalte Decke des Saales direkt an den faulen Trämen der Dachkonstruktion befestigt ist. Vor der gleichen Schwierigkeit standen die Handwerker bei der Stuckdecke der Prälatenstiege. Die Zimmermannsarbeiten in diesem Bereich konnten bereits abgeschlossen und die wertvolle Decke gesichert werden.
Für das heurige Jahr ist die Fertigstellung des Dachstuhls über dem Saal und die Verlegung der Dachziegel über der Prälatenstiege und dem Stiegenhaus des Internats vorgesehen. Weiters werden noch die Fensterstöcke, Fensterrahmen und Verglasungen im Bernardisaal erneuert und die Fassaden in diesen Bereichen partiell ausgebessert.
Abschnittsweise wird die gesamte Dachlandschaft des Stiftes vom Fürstentrakt über die Basilika, bis zum Vigiliustrakt und dem Verwaltungsgebäude saniert. Der zeitliche Rahmen für diese Arbeiten ist auf zehn Jahre ausgelegt, was allerdings von den finanziellen Mittel abhängig ist.

P.Cyril Greiter, O.Cist.
 

25 Jahre Partnerschaft Stams – Kaisheim


Was im Herbst 1973 mit einem informellen Besuch des Stamser Konventes unter Abt Bernhard im ehemaligen Mutterkloster Kaisheim begann, wurde fünf Jahre später zu einer offiziellen Partnerschaft zwischen Stams im Oberinntal und dem Markt Kaisheim in bayrisch Schwaben. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine rege gegenseitige Besuchstätigkeit – vor allem von Seiten der Gemeindeführungen und der Vereine, aber auch private Freundschaften wurden geschlossen.
Nun ist diese Verbindung etwas in die Jahre gekommen und es scheint unumgänglich, eine Neubelebung zu erreichen, sind doch einige der „Gründerväter“ wie Abt Dr. Bernhard Slovsa und der Kaisheimer Bürgermeister Franz Rössner nicht mehr unter uns.
Am 31. Mai/ 1. Juni 2003 feierte man deshalb das 25jährige Bestehen dieser Partnerschaft mit einem großen Fest in Stams, zu dem an die 190 Kaisheimer mit Bgm. Franz Oppel nach Tirol gekommen waren. Beim Festakt betonte und beschwor man die alte Freundschaft, verlieh Ehrenzeichen an die verdienten Stamser Karl Mader und Alfred Raich sowie Ehrenbriefe an Bgm. Ing.Franz Prantl und Pepi Köll und ließ beide Musikkapellen miteinander konzertieren.
Ein feierlicher Gottesdienst in der Basilika mit P. Cyril und ein Frühschoppenkonzert der Marktkapelle Kaisheim rundeten das Treffen ab. „Geburtstagskind“ Julia Rössner resümierte über die nun ein Vierteljahrhundert andauernde Partnerschaft: „Oft sind wir zusammengekommen, aber zu einer Ehe hat es noch nicht geführt“ - und mit verschmitztem Lächeln - „nicht einmal zu einem ledigen Kind.“

Helmut Hörmann
 

 

 
 

Die Bürgermeister Ing.Prantl und Oppel mit den Partnerschaftsurkunden
(Foto Pepi Köll)

 
     

Skulptur im Stiftsgarten
Fremde Gestalten im barocken Garten zu Stift Stams


Dank der großherzigen Zustimmung und Unterstützung durch Abt Josef Maria Köll gelang es heuer erstmals neben Bekanntem und Erwartetem zusätzlich moderne, zeitgenössische Plastik in der barocken Gartenanlage zu Stift Stams zu präsentieren.
Von Oktober 2002 bis Ostern 2003 belebten somit fremdartig anmutende Gestalten und Formen die eingefriedete Gartenanlage auf der Westseite des Stiftes und erfreuten durch ihr Dasein zahlreiche neugierige, kunstsinnige, aber wohl auch überraschte Besucher.
Das Konzept zu dieser Präsentation zeitgenössischer Tiroler Bildhauerei im altehrwürdigen Ambiente des Stiftes ist ebenso einfach wie überzeugend. Jedes Jahr soll ein bis zwei renommierten aber auch noch unbekannteren Künstlern die Möglichkeit geboten werden, ihre jeweiligen Werke einem zahlreichen und bunten Publikum zur Auseinandersetzung zu präsentieren. Die ausgestellten Skulpturen sollen dabei über mehrere Monate im Park verbleiben und so Qualitäten aufzeigen, die ein geschützter, aber beengter Innenraum niemals bieten kann. Wind und Wetter, Sonne und Kälte, Licht und Schatten, Eis und Schnee gestalten so mit an jeweils unterschiedlichen Erscheinungsformen der Werke; mit Wetterlagen, Tageszeiten und dem Jahresrhythmus ändern die Artefakte ihre Ausstrahlung und Wirkung. Oberflächen, Farbigkeit, Kontraste passen sich dem Spiel und der Laune der Natur an und spiegeln so nicht nur sich selbst, sondern auch den Lauf und das Wesen der Jahreszeiten.
Auch die Weite des Raumes und das historische Umfeld nehmen Einfluss auf die Wahrnehmung und Ausstrahlung der gezeigten Figuren. Der Besucher nimmt die Exponate zunächst aus der Entfernung wahr, nähert sich, hat die Möglichkeit die Gestalten zu umkreisen, sie mit dem Auge (auch den Händen) abzutasten, und entfernt sich wieder; jede Figur erlaubt so ein Kaleidoskop verschiedenster Eindrücke, bleibt nicht statisch, sondern spielt mit im Wechsel von Annäherung und Entfernung.
Barocker Geist, die Spiritualität des Ortes und moderne Formensprache und Denkweise treten ein in einen Dialog, der für beide Seiten befruchtend wirkt. Stift Stams als ein Ort, wo umfassend gedacht und gelebt wird. Stift Stams als Wiege der Tiroler Historie, aber auch als ein Ort, an dem Gegenwart stattfindet und Zukunft heranwachsen kann. Gerade das Unerwartete kann an solch einem Ort Anstoß und Anregung für Neues werden.

Mit Michael Defner und Carl Felder konnten dieses Jahr zwei Künstler gewonnen werden, die, in ihrer jeweiligen Formensprache sicher und ausgereift , neben formalen Können auch Vergeistigung und hintergründige Ironie bieten.
Carl Felder brachte Lebendigkeit und Farbe in ein Ambiente, das von manchen als historisch und somit museal abgetan wird. Seine „New Plants“ – bunt bemalte, in Beton ausgeführte und floral anmutende Gebilde, die scheinbar organisch aus der historischen Erde wuchsen, stellte er neben menschliche Figuren andeutende Arbeiten aus glänzendem Edelstahl, deren eigentliche Substanz erst durch die von Stahlbändern umschlossene Leere suggeriert wird.
Die Arbeiten Michael Defners bevölkerten die andere Hälfte des Parks. Seine Figuren aus schwarzem Schmelzzement auf filigranem Metallgerippe erschließen sich langsamer. Zunächst unnahbar, fast abweisend und drohend, archaischen Höhlenmalerein nicht unähnlich, verlangen sie vom Betrachter gedanklichen und formalen Spürsinn, um all die denkbaren Nuancen und Deutungen auszuloten. So spannen u.a. etwa ein Krieger, Engel oder Hirschkönig ein feinsinniges Netz von formalen und inhaltlichen Andeutungen und Gesten, in dem sich ein offenes und neugieriges Auge gerne fangen ließ. Archaische Kraft und modernes Raffinement begegneten sich hier auf gelungene Weise.

Manfred Egger
 

 

„Wächter“

 

„Engel aus einer verbotenen Stadt“

Michael  Defner
               

 

 

“New Plant” 

 

“Figur”

Carl Felder