Spektrum 2002
die Zeitschrift des Meinhardinums



Redaktion: Mag. Walter Kimeswenger
spektrum08(at)meinhardinum.at

Vorwort von HR Direktor P. Mag. Neumüller

Liebe Schulgemeinschaft, liebe Altstamser, liebe Freunde unseres Hauses! 

Der Weg des Meinhardinums in den vergangenen zwei Jahrzehnten erforderte viele  kleine Schritte: aktuelle Schwierigkeiten mussten überwunden, Zeitverhältnisse und Reformen berücksichtigt, neue Wege gesucht und das alt Bewährte bewahrt werden. Die Kolleginnen und Kollegen wussten, dass die Schule nicht Selbstzweck ist, sondern jungen Menschen dienen soll.

Nach dem entsetzlichen Geschehen an einer deutschen Schule mussten wohl auch wir uns auf die Wertgrundlagen unseres Zusammenlebens neu besinnen. Aus Gesprächen mit LehrerInnen weiß ich, dass sich so manche Eltern weder für die Lernerfolge noch für die Lernschwierigkeiten ihrer Kinder interessieren. Ich freue mich, dass sich unsere Lehrer immer wieder auch um Schüler in schwierigen Situationen kümmern. Es geht um das sinnvolle Zusammenleben von Jung und Alt. Wir alle wissen, dass Eltern sehr beschäftigt sind und Lehrer auch. Und doch erwartet man von der Schule, dass sie vorhandene Defizite ausgleicht; Defizite einer Gesellschaft, die nie freier existierte als heute. Nur muss der Mensch unserer Zeit seine Freiheit in Sinn verwandeln. Den meisten Menschen gelingt das auch, wie die große Zahl von Vereinen oder das gesteigerte Engagement für andere zeigt. Doch gibt es zugleich auch eine nicht geringe Zahl von Menschen, die durch ihre Freiheit überfordert sind und daher aufgefangen werden müssen. Es ist der Zwang zur Selbstbestimmung, der unsere Zeit von früheren Zeiten trennt, und es ist sicher ein Trugschluss, wenn man meint, dass man Glück ohne Anstrengung erreichen kann. Allerdings gibt es immer wieder den Versuch, um diese Anstrengung herumzukommen, natürlich auch in Selbstbestimmung. Wirkliches Glück kann der Mensch nur über die harte Realität erleben. Sich einer Sache mit Mühe annehmen lohnt sich.

Als katholische Schule haben wir uns bemüht und bemühen uns immer wieder, weil wir nichts anderes wollen als Hilfe zur Persönlichkeitsentwicklung zu leisten, Möglichkeiten der Lebensbewältigung anzubieten, sinngebende Werte zu vermitteln und christliche Lebensanschauung zu vertiefen. Um diese Ziele erreichen zu können sind dauernde Anstrengungen erforderlich: von Seiten der Lehrerschaft, der Schüler und deren Eltern, des Stiftes Stams als Schulerhalter, der Landesschulbehörde und des Bundesministeriums - in Partnerschaftlichkeit, die ja ein echt humanistisches und christliches Anliegen mit Zukunft ist.

Geleitet und begleitet von zisterziensischer Lebensart, von Selbstlosigkeit und Frohmut, lässt sich an dieser Schule Leben lernen. Nur eine partnerschaftliche Zusammenarbeit von Lehrern, Eltern und Schülern kann Grundlage für  erzieherische Arbeit im Sinne des Schulerhalters sein.

Ich danke dem Lehrerkollegium, den Eltern und Schülern für die gute und gedeihliche Zusammenarbeit in den vergangenen zwanzig Jahren.

Dem Meinhardinum wünsche ich für die Zukunft ein gesegnetes Wirken im Dienste an unserer Jugend!

 

Abschied von HR Dir. P. Augustin Neumüller


GUSTL und SEIN HARDINUM

Das Beste, das der Mensch erfand,
ist und bleibt der Ruhestand.
Wenn man in den treten kann,
als Hofrat und als reifer Mann.

Begonnen hat ein junges Mandl
als Nachfolger von Raimund Jandl.
Will sogleich ein neues Haus
und baut die alte Mühle aus.
Schwer drückt ihn der  Schulden Last,
doch der Walli ist zu Gast.
Eingekocht und ausgenommen,
Gustl flugs dem Knast entronnen.
Dieses war der erste Streich,
und der zweite folgt sogleich.

Ei, wo treibt er sich denn `rum?
Gar oft im Schigymnasium.
Vorstandssitzung, Schanzenbau,
und dann in der Wochenschau.
Schwupp-di-wupp, da rutscht der Hang,
dem Gustl wird gar angst und bang.
Der Rechtsstreit, der verschlingt Millionen,
kann man nicht den Walli klonen?
Dieser Streich gelang nicht gleich,
drum freut euch auf den dritten Streich.

Also lautet der Beschluss,
dass der Mensch viel turnen muss.
Nicht allein in Schreiben, Lesen
übt sich ein vernünftig Wesen.
Deshalb kommt man bald zum Schluss,
für Sportler er was bauen muss.
Meister Gratl, he heran,
bau er das, so schnell er kann:
Ritsche, ratsche, mit Krawalle,
dreifach steht die Megahalle.
Dieses war der dritte Streich,
und der vierte folgt sogleich.

Auch ist dieser Chef der Lehrer
von dem Tobak ein Verehrer.
Trinkt mit Frauen gern Kaffee,
auch wenn ihm tut das Kreuz oft weh.
Eine Runde dann durchs Haus,
ist er auf Übeltäter aus.
"Heiliger Sebastian,
der håt koane Patschn ån!"
Mit Getöse schrecklich groß
legt er mit dem Schimpfen los.
All der Ärger und der Schmerz
drücken ihm dann doch aufs Herz.

"Des Beschte, wås i måchen kannt,
isch, gehen in den Ruhestand,
i  in den jetzt treten kånn
als Hofrat und als reifer Månn!"
Und voll Dankbarkeit sodann
zündt` er a Zigrettl an.

“Und des oane såg i eich,
des wår no nit mei letzter Streich!"

deine LehrerInnen

 

Vergelt´s Gott und alles Gute, Pater Augustin!

Etwas überrascht waren wir alle im Studienzentrum schon, als wir erfuhren, dass der langjährige und verdienstvolle Direktor des Meinhardinums, HH Hofrat P. Mag. Augustin Neumüller OCist., mit Ende des laufenden Schul- bzw. Studienjahres in Pension gehen würde. Denn die Verbindungen zwischen Meinhardinum und Diözesanem Studienzentrum mit seinen drei Institutionen - Pädagogische Akademie, Religionspädagogische Akademie und Kolleg für Sozialpädagogik – sind mannigfach und eng: So sind einige Kolleg/innen des Meinhardinums auch bei uns in Mitverwendung, vor allem an der Pädagogischen Akademie, aber nicht nur; wir benutzen teilweise die selben Räumlichkeiten und Lehrstätten, insbesondere im sportlichen Bereich; und wir sind auch sonst immer wieder gemeinschaftlich verbunden, etwa bei besonderen Veranstaltungen und Anlässen wie Spielfesten, Vorträgen oder Workshops usw.; das Stift Stams beherbergt ja mehrere unterschiedliche Bildungseinrichtungen und macht damit den Ort Stams zu einem hervorragenden Schul- und Bildungszentrum im Tiroler Oberland. Bekanntlich sind es insgesamt mehr als tausend Schüler/innen und Studierende, die hier mehr oder weniger täglich aus und ein gehen.

Wo viele Menschen einander begegnen, wäre es eigentlich nachvollziehbar, wenn es nicht nur zahlreiche Berührungs-, sondern unter Umständen auch die einen oder anderen Reibungspunkte gäbe. Dass dem aber nicht so sein muss und auch niemals war, ist der großzügigen Art, dem einsichtsvollen Entgegenkommen und dem vielfachen Verständnis des scheidenden Direktors zu danken. Neun Jahre lang sind wir nun im Stift beheimatet, und in allen diesen Jahren war die Zusammenarbeit vorbildlich und ausgezeichnet. Wir können auf eine bewährte und gewachsene Tradition ausgezeichneter Kooperation blicken, ob beim Kinderspielfest anlässlich der Landesausstellung 1995; beim 12. Europäischen Pädagogischen Symposion EPSO ´96 „Brücken bauen in einem gemeinsamen Europa“; anlässlich des Antidrogenfestes der Österreichischen Hochschülerschaft und der PÄDAK-Fussball-Hallenmeisterschaft 2000; beim Europa-Fest 2001; im Rahmen der jährlich stattfindenden Interventionen; um nur einige Beispiele anzuführen, und die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. So heiß begehrt der Turnsaal ist, mit dem good will aller Beteiligten lässt sich auch bei scheinbar auswegloser Situation schließlich eine Variante finden, die auch beispielsweise noch den Studentensport zulässt. Und a propos Turnsaal: in ihm dürfen wir in Ermangelung eines eigenen Festsaals und in Folge der Renovierungsarbeiten im Bernardisaal die Veranstaltungen mit größerem Platzbedarf - wie etwa die Diplomierungsfeierlichkeiten - abhalten. Das alles belegt augenscheinlich die Umgänglichkeit, Güte, Menschlichkeit und Toleranz sowie den Großmut von Pater Augustin, die ich in meinen nunmehr vier Jahren als Leiter des Studienzentrums vielfach und immer wieder erfahren durfte.

Seit unserer Übersiedlung 1993 nach Stams ist er der Vertreter des Stifts im Kuratorium für das Studienzentrum. In dieser Funktion habe ich ihn kennen und schätzen gelernt. Er hat sich mit den Belangen unseres Studienzentrums intensiv befasst und sie nach Möglichkeit und Vermögen unterstützt bzw. dazu beigetragen, konstruktive Lösungen zu finden.

Eines Tages, Pater Augustin ging gerade in ziviler Kleidung vorbei, hörte ich eine Studentin eine andere fragen, ob sie wisse, wer das sein. Als die andere ihr die Frage beantwortete, meinte sie bewundernd: „Ein Sir.“ Mit dieser Feststellung hat sie ins Schwarze getroffen, man kann es nicht besser sagen.

Lieber Pater Augustin, persönlich und im Namen von uns allen im Studienzentrum – der Direktor/innen und Abteilungsleiter/innen, der Mitarbeiter/innen, der Lehrenden und Studierenden - möchte ich dir für alles herzlich danken und Vergelt`s Gott sagen und dir unsere Wertschätzung und Verbundenheit zum Ausdruck bringen. Wir wünschen dir im sogenannten Ruhestand vor allem Gesundheit, Wohlergehen, Zeit für alles, was du bisher in Folge deiner beruflichen Aufgaben zurück stellen musstest, und vor allem Segen Gottes. Uns wünschen wir, dass du uns deine Freundschaft bewahrst, und dass uns dein Nachfolger im schulischen Leitungsamt gleichfalls Aufgeschlossenheit, Verständnis und Wohlwollen entgegen bringt. Tausend Dank und ad multos annos!

 

OStR Dr. Hubert Brenn

Direktor der Pädagogischen Akademie und Leiter des Studienzentrums der Diözese Innsbruck in Stams