Spektrum 2001
die Zeitschrift des Meinhardinums


Redaktion: Mag. Walter Kimeswenger

Die Wallfahrt Maria Locherboden und das Stift Stams
Ein Beitrag zum 100. Weihejubiläum der Wallfahrtskirche 

 

Die Entstehung der Wallfahrt und Errichtung der Kapelle

Der Ursprung der Wallfahrt am Locherboden bei Mötz geht auf die wundersame Errettung eines verschütteten Bergknappen um 1740 zurück. In der Stunde der Not hatte ein Gebet zur Gottesmutter überraschende Hilfe gebracht. Das zum Dank aufgestellte Mariahilf-Bild wurde zu einer kleinen Pilgerstätte von lokaler Bedeutung, aber erst einige bemerkenswerte Gebetserhörungen und vor allem die Heilung der todkranken und von den Ärzten bereits aufgegebenen Maria Kalb aus Rum am 12.September 1871 machten den Locherboden zu einem vielbesuchten Wallfahrtsort. Daraufhin erhielt die ursprüngliche Felsengrotte am Eingang eines Stollens - mit dem Muttergottesbild auf einer Holzsäule - ein Vordach und schließlich erfolgte der Ausbau zu einer kleinen hölzernen Kapelle. 
Die Zahl der Pilger, die nun auf den Locherboden kamen, nahm stetig zu und 1881 entschloss sich der Mötzer Kurat Johann Schlatter zum Bau einer gemauerten Kapelle, in der am 6.Juni d.J. das Gnadenbild in Anwesenheit von mehr als 2000 Gläubigen und fünf Priestern wieder aufgestellt wurde, nachdem es im Kuratiewidum restauriert worden war. Den Plan für die basilikaartige Kapelle hatte der „jugendliche Techniker Johann Speckbacher, Wirtssohn aus Stams“, in neuromanischem Stil gezeichnet und der Mötzer Maurermeister Josef Hörmann führte den Bau aus, den das Stift Stams sehr unterstützte, indem es das Baumaterial zur Verfügung stellte oder zumindest „billig berechnete“. Bereits 1869 hatte das Stift in Mötz die „Erste oberinnthalische Cement-Fabrik“ errichtet, die ausgezeichnetes Material lieferte, das natürlich auch für die Locherbodenkapelle Verwendung fand. Der für den Zementofen verantwortliche Hutmann Josef Krismer aus Nassereith führte Sprengarbeiten am Felsen durch, die eine Verbreiterung des ursprünglichen Steiges zur Wallfahrtsstätte ermöglichten.
 

Bau der Wallfahrtskirche und künstlerische Ausgestaltung

Zeitungsberichte und erste Publikationen machten auf den jungen Wallfahrtsort aufmerksam, der bald über die Grenzen des Landes hinaus bekannt wurde. Der Pilgerstrom nahm – bedingt durch die bequeme Erreichbarkeit des Locherbodens nach der Eröffnung der Arlbergbahnstrecke - gewaltig zu und die kleine Kapelle konnte bald auch an Wochentagen die vielen Besucher nicht mehr fassen. Pfarrer Schlatter (Mötz wurde 1891 eine selbstständige Pfarre) plante eine Erweiterung der bestehenden Kapelle entlang des Felsen nach Westen, doch der Mötzer Baumeister Heinrich Hörmann konnte ihn von einem Neubau auf der Kuppe des Locherbodenhügels überzeugen. Am 12.März 1896 begannen Hörmann und seine Mitarbeiter zügig mit dem Grundaushub und sie konnten bereits am 22. August den Dachstuhl über das Kirchenschiff aufsetzen. Im darauffolgenden Jahr wurde der Turm gebaut und schließlich der Rohbau fertiggestellt. Bis zur vorläufigen Fertigstellung sollte es aber noch einige Jahre dauern, war doch die Baukasse leer geworden. Wieder förderte das Stift Stams mit billigem Baumaterial und vor allem P.Meinrad Bader, Prior des Stiftes, bemühte sich sehr um den Locherboden. Er unterstützte den Mötzer Kuraten, der schon in hohem Alter stand, in vielen Belangen: bei der Beschaffung von Baumaterial, bei der Initiierung einer Bausteinaktion, bei der Abfassung von Zeitungsartikeln und Spendenaufrufen und der Herstellung von hilfreichen Kontakten zu kirchlichen und weltlichen Obrigkeiten.
Am 30.Juni 1901 erfolgte dann die Übertragung des Gnadenbildes von der Kapelle in die neue Wallfahrtskirche. Es war ein Festtag für Mötz, wie ihn der kleine Ort wohl vorher noch nie gesehen hatte. Das Dorf war beflaggt und herausgeputzt und „grüßte die viertausend Menschen, die aus dem ganzen Land gekommen waren, um an der Prozession teilzunehmen, die sich unter Glockengeläute, Böllersalven und dem Spiel von sieben Musikkapellen vom Mötzer Widum aus in Gang setzte“. Auch viele Geistliche mit Dekan Schönherr aus Silz an der Spitze, Kirchenchöre, die Schützenkompanien von Rum und Mötz und fünf Veteranenvereine begleiteten einen Festzug, „wie ihn das Dorf noch nie gesehen“, der nahezu „geschlossen von der Wallfahrtskirche bis (zurück) zur Dorfkirche in Mötz“ gereicht habe. Vier Mädchen aus Mötz hatten die Ehre, das restaurierte Gnadenbild auf den Locherboden zu tragen, wo P. Meinrad Bader die Festpredigt hielt und ein Neupriester aus Obsteig anschließend den Primizsegen erteilte. Unter den Anwesenden war auch Maria Kalb, die genau dreißig Jahren vorher hier auf so wunderbare Weise geheilt worden war. 
Knapp eine Woche später - am 6.Juli 1901 – kam Fürstbischof Simon Aichner von Brixen auf den Locherboden, um Kirche und Altar zu weihen und damit das zukünftige Feiern der hl. Messe in der neuen Kirche zu ermöglichen. Die Priesterschaft der ganzen Umgebung mit dem Stamser Abt und an die 300 Pilger nahmen an der „langen“ (3 ½ Stunden) und für den schon bejahrten Bischof „beschwerlichen Konsekration“ mit der Übertragung der Reliquien aus der Gnadenkapelle teil. 
Den Abschluss des Jubeljahres bildete ein Dankgottesdienst am 12.September, zu dem wiederum „massenhaft Leute“ kamen. Es gab schließlich allen Grund, der Gottesmutter für die unzähligen Gebetserhörungen zu danken, die nach Maria Kalb (sie war ebenfalls anwesend) vielen Menschen am Locherboden zuteil worden waren. 
Dass namhafte Künstler und Kunsthandwerker für die Ausgestaltung der Wallfahrtskirche gewonnen werden konnten, ist sicherlich ein Verdienst von P. Meinrad, der seine guten Kontakte zum Wohle des Locherboden nutzte. Bereits im Juni 1900 wurde der bekannte Bildhauer Josef Bachlechner aus Hall mit der Anfertigung eines für den gotischen Kirchenbau passenden Altares samt Figuren beauftragt. Der gebürtige Brunecker hatte bei Anton Dichtl in Hall die Bildhauerei erlernt und dessen Atelier 1895 übernommen, als dieser in das Stift Stams als „Bruder Josef“ eintrat. P. Meinrad hatte seinen Mitbruder Josef um eine Skizze für den Altar ersucht und dessen ehemaliger Schüler Bachlechner besorgte die Ausführung. Für die Ausschmückung der Wallfahrtskirche mit Fresken schrieb das Stift Stams einen Wettbewerb aus, bei dem der junge, bis dahin wenig bekannte Kunstmaler Anton Kirchmayr aus Innsbruck als Sieger hervorging. Wohl auch deshalb widmete er diesem ersten großen Auftrag besonders intensive Vorbereitung. Entgegen der Maltradition, dass eine Marienkirche nur mit Darstellungen aus ihrem Leben zu schmücken sei, wählte Kirchmayr als Thema das Kirchenjahr in seinen vier Hauptfesten Ostern, Weihnachten, Fronleichnam und Pfingsten. In der dem Maler eigenen Mischung „von Jugendstilanregungen mit ornamentalen Elementen, einer nazarenischen Erzählfreude und Formen eines poetischen Realismus“ schuf er ein Freskowerk, dessen Frische und Unmittelbarkeit nicht zuletzt auf die vielen Porträtstudien zurückzuführen sind, für die Mötzer im Dorfgasthof Kreuz dem Maler Modell saßen. So sind die Locherbodenfresken gleichsam ein Fotoalbum alteingesessener und einflussreicher Mötzer Familien. Als am 24.Mai 1916 (Fest Mariahilf) die Arbeit Kirchmayrs abgeschlossen war, gab es aber nicht nur spontane Zustimmung. Manchen Betrachter störten die zu oder zuwenig naturgetreuen Konterfeis oder verunsicherte die ungewohnte Malweise und für den Künstler galt es so manchen Ärger und manche dilettantische Kritik zu ertragen. Dennoch, die Fülle an szenischen Einfällen, die Buntheit der Farben, die Einheit, Ruhe und Harmonie ausstrahlende Komposition und die Volkstümlichkeit der Darstellungen fanden auch viele Bewunderer, und selbst den eher kritischen Kunstexperten wurde zunehmend bewusst, dass dem jungen Kirchmayr mit seinem Erstlingswerk ein großer Wurf gelungen war. P. Meinrad ließ zwar in seinem Buch über den Locherboden leise Kritik anklingen, doch fand er auch lobende Worte für das Werk.

P. Meinhard Bader – ein großer Marienverehrer und Wohltäter der Locherbodenwallfahrt

Zum 50.Jubiläum der wunderbaren Heilung von Maria Kalb im September 1921 verfasste P. Meinrad ein umfassendes Buch über die Wallfahrt am Locherboden - mit einer Fülle an Quellenmaterial, einer Vielzahl an Aussagen von damals noch lebenden Augenzeugen und mehreren Gesprächen mit der Geheilten selber. 
Schon im Jahre 1891 war der in Lermoos/ Außerfern am 27.10.1859 geborene Alois Bader - später Präfekt am Vinzentinum, Kooperator in Thannheim und Gossensass und Religionslehrer an der k.k.Lehrerbildungsanstalt Innsbruck – erstmals auf den Locherboden gekommen und diese Gnadenstätte hatte ihn derart beeindruckt, dass er später immer wieder an diesen Ort zurückkehrte. Als Stamser Konventuale konnte er dann später die Entwicklung der Wallfahrt selbst hautnah miterleben und über 20 Jahre sammeln, notieren und forschen, ehe er das Buch „Locherboden. Seine Rundsicht und seine Wallfahrt (1921)“ veröffentlichte. In wissenschaftlich-detaillierter Weise beschreibt er darin das Werden der Wallfahrt, skizziert mit großem Einfühlungsvermögen die Krankheit und Heilung der Maria Kalb, nennt die seltsam anmutenden Begleitumstände wie Lichterscheinungen und hebt die Verdienste anderer um den Locherboden hervor.
Selber aber, obwohl die treibende Kraft um den Locherboden, bleibt er in aller Bescheidenheit im Hintergrund. Nur ganz nebenbei erwähnt er etwa, dass er das Gnadenbild vom Historienmaler Kluibenschedl aus Rietz auf seine Kosten hatte renovieren lassen, lässt aber unerwähnt, dass die aufwendige Renovierung der etwas vernachlässigten Wallfahrtkapelle auf seine Initiative hin erfolgte, dass er das Reliefbild der schmerzhaften Mutter (Pieta) von Bachlechner hatte schnitzen und auch die Stufenanlage von der Kapelle zu der darüber liegenden Kirche anlegen lassen. Lediglich als Mann des Wortes und der Poesie zeigt er sich im dritten Abschnitt des Locherbodenbuches: als Verfasser von Gedichten, Marienliedern und Andachtstexten. Doch den Zeitgenossen war P. Meinrad kein Unbekannter. Schon als Religionslehrer an der k.k.Lehrerbildunganstalt in Innsbruck war man auf ihn aufmerksam geworden, zum einen als Verfasser des „Lehrbuch der Kirchengeschichte zum Gebrauch an Schulen und zum Selbstunterricht (das 10 Auflagen erlebte), zum anderen als eine „Art Vorposten der konservativen Partei im liberalen Lager der LBA“. Dabei ließ er sich als konservative Speerspitze gegen die liberalen Lehrerkollegen verwenden, was zu heftigen Polemiken rund um die ideologische Auseinandersetzung im Zusammenhang mit dem neuen Reichsvolksschulgesetz führte. Nach der Versetzung des liberalen Tiroler Historikers Noggler wurde Bader wider Erwarten nicht auf seiner Stelle pragmatisiert und wirkte dann als Katechet bei den Armen Schulschwestern in Pfaffenhofen und an der Lehrerinnenbildungsanstalt in Zams. Im Jahre 1896 trat der Weltpriester als Mönch in das Stift Stams ein und widmete sich neben der Seelsorgaushilfe in den Nachbargemeinden der Wallfahrt am Locherboden und seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Er verfasste eine Lebensbeschreibung des Pfarrers Simon Alois Maaß von Fließ (1899) und publizierte eine Reihe von Gebetsbüchern, kleinen Broschüren, Andachtszetteln und Beiträgen für Zeitschriften und Zeitungen. Ab 1912 gab er die Monatsschrift „Geist der Wahrheit“ (Heilig-Geist-Blatt) heraus und betreute sie als Schriftleiter bis 1929.
Sein Hauptwerk aber war das Buch über den Locherboden, das bald vergriffen war und knapp nach seinem Tod 1930 neu aufgelegt wurde. Die Redaktion besorgte sein Mitbruder P. Nivard Neurauter, der auch einen biographischen Anhang dem großen Engagement von P. Meinrad widmete. Vor allem als Mitglied des Stamser Konventes, in dem P. Meinrad als Novizenmeister, Prior und Subprior durch viele Jahre wirkte, wurde er immer wieder ersucht, bei Einweihungen, Glockenweihen, Wallfahrten u.ä. zu predigen. Gern tat er dies am Locherboden. Als es ihm aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich war, selbst den Gnadenort aufzusuchen, blickte er – so P. Nivard – oft halbe Stunden lang von seiner Zelle aus auf den Locherboden und lenkte auch die Gespräche in diese Richtung. Noch lange nach seinem Tod nannte man den Fußweg von Stams auf den Locherboden den „Meinradsteig“.

Weitere Entwicklung der Wallfahrt

In den vielen Jahrzehnten seither sind immer wieder kleinere Umbauten und Renovierungen durchgeführt worden. Anlässlich der bislang letzten unter Ortspfarrer P.Johannes Messner erhielt die Locherbodenkirche im Jahre 1996 eine neue Orgel. Für eine andere „Neuerung“ spielte der Zufall oder die Fügung eine entscheidende Rolle. P. Dr. Gabriel Lobendanz O.Cist. hatte in der populären Radiosendung „Der Toznhacker“ die Klage einer Unterinntalerin vernommen, dass es nicht auch – wie in St. Georgenberg – eine Nachtwallfahrt für das Oberinntal gäbe, nämlich „auf unser Locherboden“, wie sie sich ausdrückte. P. Gabriel besprach sich am nächsten Tag mit Abt Dr. Bernhard Slovsa, der nach einem Gespräch mit dem damaligen Mötzer Pfarrer und dem Silzer Dekan den Auftrag zum Druck der ersten Plakate gab und selbst den Gottesdienst bei der 1.Nachtwallfahrt am 11.Mai 1976 zelebrierte. Trotz strömenden Regens waren gleich beim erstenmal viele Menschen gekommen und die Zahl der Teilnehmer nahm rasch zu. Schon Ende der 80er Jahre kam der Wunsch auf, eine Kapelle für die nun monatlich stattfindenden Nachtwallfahrten (Mai bis Oktober) zu errichten, die allerdings mit den bereits bestehenden Sakralbauten harmonisch verbunden sein sollte. Architekt Gerold Wiederin entscheid sich in Zusammenarbeit mit dem Künstler Helmut Federle für eine moderne Konstruktion aus Beton, die mit ihren „klaren, geometrisch-kristallinen Kuben in einen Dialog mit den sie umgebenden verformten und verwitterten Felsformationen“ treten. Dieses Erstlingswerk des jungen Architekten ist in zweierlei Hinsicht ein religiöses Bauwerk, da es nicht nur „der Ausübung religiöser Aktivitäten dient“, sondern dabei auch christliche Themen wie etwa das Kreuz als Gestaltungselement in die Architektur umgesetzt werden. Die Ausmaße und Stützen der neuen Kapelle, die am 8.September 1996 vom Stamser Abt Josef M.Köll eingeweiht wurde, richten sich nach der Säulenhalle der Gnadenkapelle, die Glassteine korrespondieren mit den bunten Fenstern der Wallfahrtskirche.

In P. Johannes Messner O.Cist (Stams), seit 1976 Pfarrer von Mötz, hat der Locherboden einen äußerst rührigen und umsichtigen Wallfahrtsseelsorger gefunden. Seiner großen Geduld und Ausdauer ist es zu verdanken, dass durch Grundankauf die Voraussetzungen für diverse Erweiterungen (Wege, Errichtung eines Parkplatzes u.v.a.) geschaffen werden konnten. P. Johannes versteht es aber nicht nur, die bauliche Seite bestens zu betreuen, ihm ist auch die spirituelle ein Anliegen. Das große Angebot an Gottesdiensten und Andachten, unzählige Hochzeiten und vor allem die Nachtwallfahrten am jeweils 11.des Monats (von Mai bis Oktober) bieten gläubigen Menschen viele Möglichkeiten, Gemeinschaft am Locherboden zu erleben.
Seit mehr als hundert Jahren erfreut sich so der Locherboden als Ort des Gebetes und der Kontemplation, als Wanderziel und Ausflugsidylle, als Anziehungspunkt für Kunstinteressierte großer Beliebtheit und ist zu einem der meistbesuchten Wallfahrtsorte Tirols geworden.

Quellen:

(1) P. Meinrad Bader: Locherboden. Seine Rundsicht und seine Wallfahrt. Mötz 1921 (und NA 1930)
(2) Wendelin Bachlechner: Das neue Bachlechner-Buch. Absam: Eigenverlag 1993
(3) Gerold Wiederin, Helmut Federle: Nachtwallfahrtskapelle Locherboden. Bregenz: Hatje 1997
(4) Dorfchronik Mötz, Pfarrarchiv Mötz, Sammlung H. Hörmann
(5) Hans Kramer „Der Tiroler Historiker Anton Noggler“ in: FS Leonhard C.Franz. Ibk: 1965
(6) P. Dr. Gabriel Lobendanz „Erinnerungen“. Waldsassen 2001

Helmut Hörmann

 

Übersetzungen der lateinischen 
INSCHRIFTEN IN DER BASILIKA STAMS

 

Jeder, der mit Stams, dem Stift oder den dazu gehörigen Bildungseinrichtungen in irgend einer Weise verbunden ist, kennt auch die Basilika; wer aber beachtet die vielen Inschriften, die (zum Teil) in mittellateinischer Sprache an vielen Stellen angebracht sind? Sie hängen mit der Barockisierung zusammen und sind in vielerlei Hinsicht bemerkenswert: so spiegeln etwa die Inschriften an der Kanzel den ideologischen Kampf zwischen zwei theologischen Richtungen wider ...
HR Dr. Wilhelm Kundratitz arbeitete auf Anregung von hw. Abt Josef Maria Köll eine zusammenfassende Darstellung samt Übersetzungen aus – dankenswerter Weise stellt er dem Spektrum die Ergebnisse zur Verfügung; geplant ist, in den nächsten Ausgaben jeweils einzelne Abschnitte darzustellen – vielleicht suchen Sie die angeführten Stellen in der Basilika einmal?

Am Gewölbe hinter dem Hauptaltar:

Links: 
DEO AUSPICE, OPITULANTE VIRGINE, BASILICA HAEC ERECTA ET RITU SOLEMNI CONSECRATA FUIT FUNDANTE MEINHARDO II DUCE CARINTH. COM. TYR. ET GOR.

Unter dem Schutz Gottes und dem Beistand der Jungfrau wurde diese Basilica errichtet durch den Gründer Meinhard II., Herzog von Kärnten, Graf von Tirol und Görz, und feierlich eingeweiht.

Rechts:
REPARATA ET IN ISTHOC AUGUSTIUS AEDIFICIUM RESTITUTA EST AB AUGUSTINO SECUNDO ASCETERII HUIUS ABBATE TRIGESIMO TERTIO.

Dieses Bauwerk wurde durch Augustin II, den 33. Abt dieses Klosters, repariert und herrlicher wiederhergestellt.

 

An der Kanzel:

Ganz oben links: 
FACIAM VOS FIERI PISCATORES HOMINUM.
Ich will Euch zu Menschenfischern machen.
Ganz oben rechts: 
DEDI TE IN LUCEM GENTIUM.
Ich habe Dich zum Licht für die Völker gemacht.
Mitte: 
IN VERBO TUO LAXABO RETE.
Auf Dein Wort hin will ich das Netz auswerfen.

 

Auf den Trompetenfahnen:

IN OMNEM TERRAM EXIVIT SONUS.
In alle Welt drang ihre Kunde.
UT SIS SALUS USQUE AD EXTREMUM TERRAE.
Damit Du zum Heil werdest bis an die Grenzen der Erde.
ITALIA GALLIA GERMANIA

 

Am Kanzelkorb: 

Bildprogramm-Verurteilung des PETRUS ABAILARDUS (Petrus Abälard) und des GILBERTUS PORETANUS (Gilbert de la Porree bzw. von Poitiers) -zwei Engel zerreißen die Schriften Abälards und Porretanus:
HAERETICIS IN MALLEUM -SCHISMATICIS IN FLAGELLUM –DURIS CORDE IN FULMEN
Den Häretikern zum Hammer - den Schismatikern zur Geißel - den Hartherzigen zum Blitz
IN SPIRITU ARDORIS -IN GLADIO SPIRITUS
Mit der Glut des Geistes Mit dem Schwert des Geistes

 

An den 5 Beichtstühlen:

AMEN DICO TIBI MECUM ERIS IN PARADISO
Wahrlich, ich sage Dir,(noch heute) wirst Du bei mir im Paradiese sein
MISERICORDIAS DOMINI IN AETERNAM CANTABO
Die Barmherzigkeit des Herrn will ich besingen in Ewigkeit
REMITTUNTUR EI PECCATA MULTA, QUONIAM DILEXIT MULTUM
Ihr werden viele Sünden vergeben, weil sie viel geliebt hat
CONVERTERE AD DOMINUM ET RELINQUE PECCATA TUA
Bekehre Dich zum Herrn und lass ab von der Sünde
PECCATIS MORTUI, VIVAMUS
Der Sünde gestorben, lasst uns leben

HR Dr. Wilhelm Kundratitz

 

Museum Stift Stams
13. Juni - 30. September 2002

Vorankündigung:
THOMAS RISS - KÜNSTLER AM ANBRUCH EINER NEUEN ZEIT
Retrospektive zum 130. Geburtstag


Thomas Riss hat „wie kein anderer nach Defregger das Tirolische künstlerisch“ zum Ausdruck gebracht.“(J. A. Steurer)
Veranstalter: Mag. Hans-Peter Ofer (ehem. Lehrer am Meinhardinum) in Zusammenarbeit mit dem Stift Stams und der Gemeinde Stams

Kontakt:
e-mail: museum.stiftstams@telering.at
Stift Stams Fax 05263-20174
Gemeinde Stams Tel. 05263-6244-0

Ein "Urgestein" des Meinhardinums Stams geht in Pension

Das Schuljahr 2001/02 wird ohne unseren Kollegen und Freund Prof. Mag. Heinz Tschavoll beginnen. Nach einigem Zögern hat er sich entschlossen, in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen. Obwohl noch voller Kraft und Saft hat er sich nicht überreden lassen länger zu bleiben. Man müsste eigentlich von Ressourcen-Vergeudung sprechen, wenn solche Kollegen in die Pension „entfliehen“. „Leider“ kam die Ankündigung der Pensionsanhebung auf 65 Jahre zu spät, alles Intervenieren beim Bundeskanzler half nichts, Heinz ist für die Schule verloren.

Als er 1968 an das Meinhardinum kam, war er für viele viele Jahre der einzige Leibeserzieher. Unzählige Meinhardiner gingen durch seine alemannische Schule - und einige dieser Schüler sind heute selbst Lehrer am Meinhardinum.

Zahlreiche Anekdoten, deren Aufzählung den Rahmen dieses Artikels sprengen würden, gäbe es zu berichten. Dass er mit "Leib und Seele" Sportler und Leibeserzieher war, ist hinlänglich bekannt, und zahlreiche Blessuren und "Sportverletzungen" zeugen davon. Schulterluxationen, Nasenbeinbrüche und ähnliches konnten unseren Heinz nie und nimmer aufhalten bzw. einbremsen. Manche Schüler kamen zu spät in den Unterricht, weil sie mit IHREM Herrn Professor Tschavoll noch ein Fußballspiel zu Ende führen mussten. Es ist ja wirklich unwichtig und kaum erwähnenswert, dass das Spiele erst dann beendet wurde, nachdem Heinz’ Mannschaft in Führung gegangen war ...

Er war ein Kollege und Sportsfreund, der uns fehlen wird. Dem Sport wird er hoffentlich auch in seiner Pension treu bleiben und vielleicht besucht er ab und zu seine "aktiven" Kollegen und berichtet von seinen ausgedehnten Motorradtouren durch Südeuropa.

In diesem Sinne wünschen wir dir alles Gute, Gesundheit, Sportsgeist und einen langen Ruhe( Aktiv)stand.

Klaus Greier

 

 

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Redaktion: Mag. Walter Kimeswenger
spektrum08(at)meinhardinum.at